M08K01 · EM-Spektrum

Das elektromagnetische Spektrum ist eine kontinuierliche Maxwell-Skala.

M07 hat gezeigt, wie sich gekoppelte elektrische und magnetische Felder im Vakuum ausbreiten. M08 beginnt mit der Skala dieser Lösungen: Die Frequenz f und die Vakuumwellenlänge λ₀ sind durch fλ₀=c₀ verknüpft. Radio, Mikrowelle, Infrarot, sichtbares Licht, UV, Röntgen- und Gammastrahlung sind keine verschiedenen Feldgesetze, sondern konventionell benannte Bereiche derselben kontinuierlichen Frequenzachse.

01 · Spektrumsgeometrie

Frequenz und Wellenlänge sind zwei reziproke Koordinaten derselben Welle

Im Vakuum bleibt die Maxwell-Dynamik über das gesamte Spektrum gleich. Was sich ändert, sind die räumliche und zeitliche Skala. Deshalb ist eine logarithmische Achse die natürliche Darstellung: Schon der Bereich von Radio bis Gamma umfasst viele Größenordnungen.

Reziproke Skala

Großes f → kleines λ₀

Da λ₀=c₀/f gilt, wächst die Frequenz genau invers zur Wellenlänge. Auf logarithmischen Achsen wird diese Beziehung zu einer Geraden mit Steigung −1.

Eine Feldtheorie

Keine Bandgrenze ändert Maxwell

Die Feldgleichungen besitzen an einer Bezeichnung wie „sichtbar“ oder „Röntgen“ keinen Sprung. Bandnamen sind nützliche Konventionen für Quellen, Detektoren, Materialien und Anwendungen.

Amplitude ≠ Band

Stärke verschiebt die Frequenz nicht

Die Feldamplitude bestimmt nicht, zu welchem Spektralbereich eine monochromatische Welle gehört. Im Lab kann E₀ verändert werden, ohne den Spektralmarker zu verschieben.

Klassische Grenze dieses Kapitels.

K01 beschreibt das Spektrum ausschließlich über klassische Feldgrößen, Frequenz und Wellenlänge. Die Quantisierung der Strahlungsenergie über E=hν gehört in M09; Materialantwort und Ausbreitung in Materie sind in M08K03–K05 aufgebaut; die eigentliche Frequenzabhängigkeit der Materialparameter und damit Dispersion gehört M08K07.

02 · Interaktives Labor

EM-Spektrum-Explorer

Wähle eine Mittenfrequenz auf einer logarithmischen Achse. Optional wird um sie ein logarithmisch symmetrisches Auswahlfenster in Oktaven aufgespannt. Die Bandgrenzen sind didaktische Näherungen; die zugrunde liegende Maxwell-Skala bleibt kontinuierlich.

Logarithmische AbbildungFrequenz ↔ Vakuumwellenlänge
Aktueller Bereich—
Logarithmische Karte des elektromagnetischen Spektrums Die logarithmische Frequenzachse zeigt konventionelle Spektralbereiche. Eine Markierung zeigt die gewählte Mittenfrequenz und ein optionales Frequenzband; eine zweite Skala zeigt die zugehörige Vakuumwellenlänge.
RadioMikrowelleInfrarotSichtbares LichtUltraviolettRöntgenstrahlungGamma
Frequenz f₀—
Wellenlänge λ₀—
Periodendauer T—
Kreisfrequenz ω—
Wellenzahl k—
Magnetische Amplitude B₀—
Dieselbe Lösung, andere SkalaZwei räumliche Wellenlängen + zwei Perioden
Räumliche und zeitliche Darstellung derselben elektromagnetischen Welle Zwei normierte Sinuskurven zeigen zwei Vakuumwellenlängen im Raum und zwei Perioden in der Zeit. Die Kurvenform bleibt gleich, während sich die physikalischen Achsenwerte mit der Frequenz ändern.
SpektralfensterZentrum + logarithmische Bandbreite
Lokales Frequenzfenster um die gewählte Mittenfrequenz Ein logarithmisches Fenster zeigt untere und obere Frequenz- sowie Wellenlängengrenze des gewählten Bandes.
Vakuum-Reziprozität—
Kreisfrequenz—
Wellenzahl—
Maxwell-Amplitude—
Interpretation

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03 · Einordnung & Übergang

K01 ordnet die Skala; K02–K05 führen von Vakuumpropagation zu verlustbehafteter Materie

M08K01 besitzt keine Materialantwort. Es definiert die Frequenz-/Wellenlängenkoordinate, an der die folgenden Kapitel ihre Propagationseffekte messen.

Aus M07K05–K10

Maxwell-Welle, c₀, Polarisation, Energiefluss und Strahlungsquelle sind bereits physikalisch geschlossen.

Dieses KapitelSpektrumkoordinaten

Frequenz, Wellenlänge, Periode, Wellenzahl und konventionelle Bandnamen werden auf einer gemeinsamen logarithmischen Skala zusammengeführt.

WeiterführungM08K02–K05 · Ausbreitungskette

K02 operationalisiert die Vakuumpropagation; K03–K05 erweitern sie um Materialkoeffizienten, konstitutive Antwort und Leitungsverlust.

M08K02 · Ausbreitung im Vakuum

Im Vakuum ist Ausbreitung Phasenfortschritt mit exakt c₀.

K01 hat Frequenz und Vakuumwellenlänge auf eine gemeinsame Spektralskala gelegt. K02 macht daraus Bewegung: Für eine quellenfreie Ebenenwelle gilt ω=c₀k. Flächen konstanter Phase verschieben sich daher mit exakt c₀; zwei Beobachtungspunkte sehen dieselbe monochromatische Welle um die Laufzeit L/c₀ gegeneinander versetzt.

04 · Ausbreitungsgeometrie

Eine Ebenenwelle transportiert ihre Phase entlang der Ausbreitungsachse

Die Phase Φ=skz−ωt+φ₀ ist die natürliche Koordinate der monochromatischen Welle. Setzt man dΦ=0, folgt unmittelbar dz/dt=sω/k=sc₀. Die Richtung steckt im Vorzeichen s, nicht in einer Änderung des Betrags von c₀.

Konstante Phase

z − sc₀t = const

Ein Wellenberg ist nur eine bestimmte Phase. Im idealen Vakuum wandert jede solche Phasenfläche geradlinig mit dem Maxwell-Wert c₀.

Zwei Sonden

Δt = L/c₀

Für s=+1 ist der Punkt bei z=L gegenüber z=0 um L/c₀ verzögert. Für s=−1 kehrt sich die Reihenfolge um.

Keine Abschwächung

E₀ bleibt konstant

Die hier verwendete unendliche Ebenenwelle besitzt weder geometrische Verdünnung noch Materialverlust. 1/r²-Abfall gehört zu Quellengeometrie, nicht zu diesem idealen Ebenenwellenmodell.

Phase ist nicht automatisch Signalfront.

Eine einzelne monochromatische Sinuswelle besitzt keine lokalisierte Front. K02 zeigt deshalb Phasenausbreitung und Laufzeitbeziehungen der idealen Vakuumlösung. Pulsform, Gruppenlaufzeit und Dispersion werden erst mit Spektralüberlagerung bzw. M08K07 sinnvoll getrennt.

05 · Interaktives Labor

Vakuumausbreitungs-Labor

Vergleiche zwei feste Beobachtungspunkte A bei z=0 und B bei z=L. Der Abstand kann viele Wellenlängen umfassen; die Visualisierung trennt daher Gesamtzahl der durchlaufenen Zyklen und Restphase.

Raum-Zeit-AnsichtLinien konstanter Phase in z–c₀t-Koordinaten
Frontsteigung—
Raum-Zeit-Darstellung der Vakuum-Ebenenwelle Zwei stationäre Beobachtungspunkte und mehrere Linien konstanter Phase zeigen die Ausbreitung einer Ebenenwelle mit Lichtgeschwindigkeit in positiver oder negativer z-Richtung.
Frequenz f—
Wellenlänge λ₀—
Sondenabstand L—
Laufzeit |Δt|—
Gesamte Phasenzyklen L/λ₀—
Restphase Δφ mod 2π—
Zwei SondenGleiche Wellenform, Ausbreitungsverzögerung als Phase kodiert
Zeitspuren der Ebenenwelle an zwei Beobachtungspunkten Zwei normierte Sinusspuren zeigen die elektrische Feldkomponente an den Punkten A und B. Ihr Phasenversatz entspricht der Vakuumlaufzeit zwischen beiden Punkten.
PhasenbilanzGanzzahlige Zyklen + Restphase
Phasenvergleich zwischen zwei Beobachtungspunkten Zwei Phasenzeiger und eine Zyklusbilanz zeigen Gesamtphasenfortschritt und den modulo 2π sichtbaren Rest.
Transit—
Dispersionsrelation—
Phasenfortschritt—
Delayed copy—
Interpretation

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06 · Einordnung & Übergang

K02 isoliert die ideale Vakuumpropagation; K03–K05 erweitern sie zur materiellen Ausbreitung

Bis hierhin gelten ε=ε₀, μ=μ₀ und σ=0. Deshalb gibt es weder Abschwächung noch materialbedingte Phasenverschiebung.

Aus K01Spektralkoordinate

Die Frequenz bestimmt λ₀, ω und k; K02 macht daraus räumlich-zeitlichen Phasenfortschritt.

Dieses KapitelVakuum-Phasengeometrie

Laufzeit, Phasenversatz, Ausbreitungsrichtung und die Maxwell-Relation ω=c₀k werden gemeinsam geschlossen.

WeiterführungM08K03–K05 · Ausbreitung in Materie

K03 führt reelle Materialparameter ein, K04 löst ihre konstitutive Bedeutung auf und K05 ergänzt den dissipativen Leitfähigkeitskanal.

M08K03 · Ausbreitung in Materie

Materie ändert Phasenmaß und Feldverhältnis — nicht die Anregungsfrequenz.

K02 hat die ideale Vakuumpropagation isoliert. K03 ersetzt nun ε₀, μ₀ durch konstante effektive Materialparameter ε=εᵣε₀ und μ=μᵣμ₀. In diesem bewusst verlustfreien und nichtdispersiven Referenzmodell bleibt die Frequenz einer monochromatischen Anregung gleich, während Phasengeschwindigkeit, Wellenlänge, Transitzeit und das lokale Verhältnis von elektrischem zu magnetischem Feld vom Medium abhängen.

01 · Materialausbreitung

Ein homogenes Medium verändert zwei unabhängige Dinge: Phasenindex und Wellenimpedanz

Im einfachsten linearen, isotropen, homogenen und stationären Medium reichen zwei reelle Koeffizienten für die lokale Ebenenwelle. Ihr Produkt bestimmt das räumlich-zeitliche Phasenmaß, ihr Verhältnis das E/H-Feldverhältnis. K04 löst ihre konstitutive Bedeutung auf, K05 macht die Ausbreitung über Leitfähigkeit komplex, und K07 behandelt die eigentliche Frequenzabhängigkeit der Materialantwort.

Phasenindex

n = √(εᵣμᵣ)

Das Produkt εᵣμᵣ legt v=c₀/n, λ=λ₀/n und die zusätzliche Phasenakkumulation über eine feste Strecke fest.

Wellenimpedanz

η/η₀ = √(μᵣ/εᵣ)

Zwei Medien können denselben Phasenindex besitzen und trotzdem ein verschiedenes lokales Verhältnis E/H haben. Geschwindigkeit allein beschreibt das elektromagnetische Medium deshalb nicht vollständig.

Stationäre Anregung

f bleibt gleich

Eine stationäre Grenzfläche erzeugt keine neue Zeitfrequenz. Im Medium ändert sich stattdessen der Wellenvektor k=nω/c₀. Reflexions- und Transmissionsamplituden gehören erst K06.

K03 ist ein Referenzmedium, kein vollständiges Materialmodell.

Es gilt σ=0; εᵣ und μᵣ sind reell, positiv, räumlich konstant und frequenzunabhängig. Deshalb gibt es weder Absorption noch Dispersion. K04 behandelt die Bedeutung von Permittivität und Permeabilität, K05 Leitfähigkeit und Verluste, K06 Grenzflächen und K07 Dispersion.

02 · Interaktives Labor

Materieausbreitungs-Labor

Variiere Frequenz, εᵣ, μᵣ, Strecke und Beobachtungsphase. Das Lab vergleicht dieselbe monochromatische Anregung im Vakuum und im idealisierten Material — ohne eine Grenzflächenamplitude zu behaupten.

Material-KoordinatenebeneProduktsteuerung n · Verhältnissteuerung η
aktuelles Medium—
Materialebene aus relativer Permittivität und Permeabilität Der aktuelle Zustand liegt in einer Ebene aus εr und μr. Kurven konstanten Phasenindex und die Linie gleicher Wellenimpedanz zum Vakuum ordnen den Punkt ein.
Phasenindex n—
Phasengeschwindigkeit v—
Wellenlänge im Medium λ—
Wellenimpedanz η—
Laufzeit L/v—
Zusätzliche Laufzeit gegenüber Vakuum—
Gleiches f · gleicher ZeitpunktVakuum- und Materialwellenlängen über derselben physikalischen Strecke
Vergleich von Vakuum- und Materialwelle Zwei normierte elektrische Feldkurven werden über dieselbe physikalische Länge von zwei Vakuumwellenlängen dargestellt. Im Medium verkürzt sich die Wellenlänge um den Faktor n.
Laufzeit- und PhasenbilanzGleicher Weg L · unterschiedliche Phasenakkumulation
Transit- und Phasenvergleich über dieselbe Strecke Balken vergleichen Vakuum- und Materiallaufzeit; ein Phasenzeiger zeigt die zusätzliche modulo 2π akkumulierte Phase im Material.
Index—
Geschwindigkeit—
Wellenlänge—
Impedance—
Interpretation

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03 · Einordnung & Übergang

K03 zeigt die Ausbreitungskonsequenzen; K04/K05 öffnen Materialantwort und Verlustkanal

Das K03-Modell behandelt εᵣ und μᵣ als gegebene reelle Parameter. Es sagt damit präzise, wie sich eine lokale Ebenenwelle ausbreitet, aber noch nicht, welche Polarisations- und Magnetisierungsmechanismen hinter diesen Zahlen stehen.

Aus K02Vakuumreferenz

εᵣ=μᵣ=1 reproduziert exakt v=c₀, λ=λ₀ und η=η₀.

Dieses KapitelAusbreitungsfolgen

Produkt und Verhältnis der Materialkoeffizienten trennen Phasenindex von Wellenimpedanz und machen Transit- sowie Phasenänderung messbar.

WeiterführungM08K04–K05 · Antwort und Verlust

K04 verbindet D, E, B, H mit Polarisation und Magnetisierung; K05 ergänzt den freien Leitungsstrom und dissipative Ausbreitung.

M08K04 · Permittivität und Permeabilität

Materialantwort bedeutet: Feldstärke und Materialbeitrag sauber trennen.

K03 hat ε und μ als fertige Koeffizienten benutzt. K04 zerlegt diese Größen nun konstitutiv. Im linearen, isotropen, homogenen und verlustfreien Referenzmodell beschreibt D den elektrischen Fluss einschließlich Polarisation P, während B aus dem magnetischen Feld H und der Magnetisierung M entsteht.

01 · Materialantwort

ε und μ sind Antwortkoeffizienten — nicht zusätzliche Maxwell-Gleichungen

Maxwells Gleichungen legen die Feldstruktur fest. Die konstitutiven Beziehungen ergänzen, wie ein bestimmtes Medium auf diese Felder antwortet. Im einfachsten Modell reagieren Polarisation und Magnetisierung proportional und ohne Phasenverzug auf die anregenden Felder.

Elektrische Antwort

P = ε₀χₑE

Gebundene elektrische Dipole tragen zur Verschiebungsdichte bei. Damit gilt D=ε₀E+P=ε₀εᵣE und χₑ=εᵣ−1.

Magnetische Antwort

M = χₘH

Die Magnetisierung fasst den materiellen magnetischen Beitrag zusammen. Im linearen isotropen Modell gilt B=μ₀(H+M)=μ₀μᵣH und χₘ=μᵣ−1.

Ausbreitungsbrücke

η = √(μ/ε)

Erst das Verhältnis beider Koeffizienten legt für eine lokale verlustfreie Ebenenwelle E/H=η fest. Die konstitutiven Beziehungen selbst verlangen aber kein bestimmtes E/H-Verhältnis.

K04 ist bewusst makroskopisch.

εᵣ und μᵣ werden hier als reelle, positive, skalare Konstanten behandelt. Reale Materialien können anisotrop, nichtlinear, räumlich nichtlokal, frequenzabhängig und verlustbehaftet sein. K05 ergänzt in diesem Modul bereits Leitfähigkeit und Verluste; K07 behandelt Dispersion als eigene Frequenzabhängigkeit der Materialantwort.

02 · Interaktives Labor

Konstitutives Antwortlabor

Variiere εᵣ, μᵣ, elektrische Feldamplitude, lokales E/H-Verhältnis und Phase. Das Lab trennt Vakuumanteil und Materialantwort und prüft zusätzlich, ob das gewählte Feldpaar auch zur Ebenenwellenimpedanz aus K03 passt.

Konstitutive BilanzVakuumbeitrag + Materialantwort
Momentanfaktor—
Konstitutive Zerlegung von D und B Gestapelte Beiträge zeigen D als Summe aus epsilon0 E und P sowie B als Summe aus mu0 H und mu0 M.
χₑ—
χₘ—
D₀—
P₀—
B₀—
M₀—
Material-Koordinatenebeneχₑ und χₘ
η/η₀—
Suszeptibilitätsebene Der aktuelle Materialzustand ist durch elektrische und magnetische Suszeptibilität aufgetragen. Die Diagonale markiert gleiche relative Permittivität und Permeabilität und damit eta gleich eta0.
E/H-KopplungsperspektiveStoffzustand vs. Wellenimpedanz der ebenen Welle
q / qwave—
Vergleich des gewählten E-H-Verhältnisses mit der Wellenimpedanz Zwei Marker zeigen das frei gewählte normierte H-Verhältnis und den Wert, der zu einer lokalen verlustfreien Ebenenwelle im gewählten Medium gehört.
Elektrische Konsistenz—
Magnetische Konsistenz—
Susceptibility—
Wellenimpedanz—
Interpretation

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03 · Einordnung & Übergang

K04 erklärt die Materialkoeffizienten; K05 ergänzt den dissipativen Leitfähigkeitskanal

Die Beziehungen dieses Kapitels sind rein reell und lokal. D und P bleiben phasengleich zu E, B und M phasengleich zu H. Damit kann das Medium Feldenergie speichern, aber in K04 noch keine mittlere Leistung dissipieren.

Aus K03Ausbreitungskoeffizienten

K03 nutzte εᵣ und μᵣ, um n, v, λ und η zu berechnen.

Dieses KapitelMaterialantwort

K04 zerlegt diese Koeffizienten in Vakuumbeitrag plus Polarisation beziehungsweise Magnetisierung und trennt Konstitutivgesetz von Ebenenwellenkopplung.

WeiterführungM08K05 · Leitfähigkeit und Verluste

K05 ergänzt freie Leitungsströme und komplexe Ausbreitung: Abschwächung, Leitungsverlustfaktor und endliche Eindringtiefe werden dynamisch relevant.

M08K05 · Leitfähigkeit und Verluste

Ein reales Medium transportiert nicht nur Phase — es kann elektromagnetische Energie dissipieren.

K04 beschrieb eine rein reaktive Materialantwort mit reellen ε und μ. K05 ergänzt den freien Leitungsstrom J=σE. Dadurch wird die Ausbreitungskonstante komplex: Die Phase läuft mit β, während die Feldamplitude mit e−αz abnimmt und mittlere Feldleistung als Joule-Wärme in das Medium übergeht.

01 · Leitungsverlust

Leitungsstrom und Verschiebungsstrom konkurrieren in derselben Maxwell-Gleichung

Für eine harmonische Welle im homogenen linearen isotropen Medium lautet der Ampère-Maxwell-Term (σ+iωε)E. Der dimensionslose Quotient σ/(ωε) misst daher direkt, ob Leitungsstrom oder Verschiebungsstrom dominiert.

Stromkonkurrenz

Jc=σE · Jd=iωεE

tanδ=σ/(ωε) ist in diesem K05-Modell der Leitungsverlustfaktor. Kleine Werte kennzeichnen ein niederverlustiges Dielektrikum; große Werte ein leiterartiges Regime.

Komplexe Ausbreitung

γ = α + iβ

α ist die Amplitudendämpfung in Np/m, β die Phasenkonstante in rad/m. Daraus folgen δα=1/α, λ=2π/β und vₚ=ω/β. δα ist allgemein die 1/e-Amplituden-Eindringtiefe; im guten-Leiter-Grenzfall ist sie die klassische Skin-Tiefe.

Energiebilanz

q̄ = ½σ|E|²

Die lokale Joule-Verlustleistung pro Volumen wird aus dem mittleren Poynting-Fluss gespeist. Für die homogene Ebenenwelle gilt exakt −d⟨S⟩/dz=2α⟨S⟩=q̄.

Gültigkeitsbereich von K05.

ε, μ und σ werden bei der gewählten Frequenz als skalare Konstanten behandelt. Das Kapitel modelliert damit Leitungsverlust, aber noch keine allgemeine frequenzabhängige Materialdispersion. K06 behandelt Grenzflächen/Fresnel; K07 macht die Frequenzabhängigkeit selbst zum Thema.

02 · Interaktives Labor

Verlustausbreitungs-Labor

Variiere Frequenz, εᵣ, μᵣ und Leitfähigkeit über viele Größenordnungen. Das Lab berechnet die exakte homogene Ebenenwellenlösung und trennt Stromregime, Dämpfung, Phasenfortschritt und Energiedissipation.

StromkonkurrenzLeitungs- vs. Verschiebungsstrom
Verlustverhältnis—
Leitungs- und VerschiebungsstromPhasordiagramm und logarithmische Regimeskala vergleichen sigma E mit i omega epsilon E.
α—
β—
δα—
vₚ—
λ—
η̃—
physikalisches z—
Leistungsanteil—
AbschwächungsgesetzAmplitude vs. mittlere Leistung
gewählte Tiefe—
Exponentielle DämpfungFeldamplitude fällt mit exp minus z durch delta, mittlerer Energiefluss mit exp minus zwei z durch delta.
FeldmomentaufnahmePhasenfortschritt unter einer Hüllkurve
Abschwächung / Phase—
Gedämpfte harmonische WelleElektrisches und skaliertes magnetisches Feld laufen phasenverschoben unter einer exponentiell fallenden Hüllkurve.
Ausbreitungskonstante—
Amplitudengesetz—
Leistungsgesetz—
Poynting / Joule—
Interpretation

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03 · Einordnung & Übergang

K05 macht Ausbreitung verlustbehaftet; K06 setzt diese Welle an eine Grenzfläche

Mit σ>0 werden Wellenimpedanz und Ausbreitungskonstante komplex, Amplitude und Leistung nehmen mit der Tiefe ab. Eine einzelne homogene Region besitzt aber noch keine Reflexion — dafür braucht es eine zweite Region und Randbedingungen.

Aus K04Materialantwort

D=εE und B=μH liefern den speichernden Anteil des Mediums.

Dieses KapitelVerlustkanal

J=σE erzeugt reale Dissipation, komplexe γ und η̃ sowie eine endliche 1/e-Amplituden-Eindringtiefe. Im guten Leiter entspricht sie der üblichen Skin-Tiefe.

Übergang zur GrenzflächeM08K06 · Reflexion und Fresnel-Verhalten

K06 koppelt zwei Medien über Maxwell-Randbedingungen und trennt reflektierte von transmittierter Leistung.

M08K06 · Reflexion und Fresnel-Verhalten

Eine Grenzfläche teilt die Welle — Randbedingungen bestimmen Reflexion und Transmission.

K03–K05 haben homogene Medien beschrieben. K06 koppelt nun zwei verlustfreie, lineare, isotrope Medien an einer ebenen Grenzfläche. Tangentiale Feldkomponenten müssen die Maxwell-Randbedingungen erfüllen; daraus folgen Snell, die Fresnel-Amplituden und die Aufteilung der einfallenden Leistung in Reflexion und Transmission.

01 · Randbedingungen

Geometrie und Wellenimpedanz wirken gemeinsam

Die Brechungsrichtung wird durch den Phasenabgleich entlang der Grenzfläche bestimmt. Die Feldamplituden hängen zusätzlich von den Wellenimpedanzen η₁ und η₂ ab. Deshalb sind gleicher Brechungsindex und gleiche Reflexion nicht dasselbe Problem.

Phasenanpassung

k₁ sinθᵢ = k₂ sinθₜ

Die tangentiale Phase ist auf beiden Seiten identisch. Mit k=nω/c₀ entsteht unmittelbar das Snell-Gesetz.

s / TE

E ⟂ Einfallsebene

Für s-Polarisation lautet rₛ=(η₂cosθᵢ−η₁cosθₜ)/(η₂cosθᵢ+η₁cosθₜ).

p / TM

E ∥ Einfallsebene

Für p-Polarisation lautet rₚ=(η₂cosθₜ−η₁cosθᵢ)/(η₂cosθₜ+η₁cosθᵢ). Eine Nullstelle ist der Brewster-Zustand.

Gültigkeitsbereich von K06.

Beide Medien werden hier als verlustfrei, isotrop, homogen und mit reellen positiven εᵣ, μᵣ behandelt. Damit sind R und T reine Leistungsanteile. Komplexe Fresnel-Koeffizienten an absorbierenden Medien wären eine Erweiterung des K05-Modells; K07 behandelt die Frequenzabhängigkeit der Materialparameter selbst.

02 · Interaktives Labor

Fresnel-Grenzflächenlabor

Variiere beide Medien und den Einfallswinkel. Vergleiche s- und p-Polarisation, beobachte Brewster-Minimum und Totalreflexion und prüfe die Leistungsbilanz unabhängig von der Amplitudenbilanz.

StrahlengeometrieEinfallend · reflektiert · transmittiert
Regime—
Fresnel-StrahlengeometrieEinfallender, reflektierter und transmittierter Strahl an einer ebenen Grenzfläche mit Normaler und Winkeln.
n₁—
n₂—
η₁—
η₂—
θₜ—
r—
R—
T—
WinkelantwortRₛ und Rₚ über dem Einfallswinkel
aktuell—
Fresnel-ReflexionskurvenReflexionsgrad für s- und p-Polarisation von senkrechtem bis streifendem Einfall, einschließlich Totalreflexion, sofern anwendbar.
LeistungsaufteilungEinfallende Leistung → R + T
Konsistenz—
LeistungsbilanzBalkendarstellung der normalen Leistungsanteile von Einfall, Reflexion und Transmission.
Snell—
Leistung—
Normaler Grenzfall—
TIR—
Interpretation

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03 · Einordnung & Übergang

K06 erklärt die einzelne Grenzfläche; K07 macht Materialantwort frequenzabhängig

Fresnel-Koeffizienten entstehen aus Randbedingungen, Brechungsgeometrie und Impedanzkontrast. In K06 bleiben die Materialparameter bei der betrachteten Frequenz reell und konstant; K07 lässt Index, Phase und Laufzeit systematisch mit der Frequenz variieren.

Aus K03–K05Medieneigenschaften

n, η und gegebenenfalls Verlustparameter charakterisieren jede homogene Region.

Dieses KapitelEbene Grenzfläche

Snell plus Maxwell-Randbedingungen bestimmen reflektierte und transmittierte Amplitude sowie die Leistungsanteile.

WeiterführungM08K07 · Dispersion

K07 untersucht, was geschieht, wenn die Materialparameter selbst von ω abhängen und Phase und Gruppenlaufzeit auseinanderfallen.

M08K07 · Dispersion

Wenn k von ω abhängt, trennen sich Phase, Hüllkurve und Pulsform.

K03–K06 haben Material- und Grenzflächeneigenschaften jeweils bei einer betrachteten Frequenz beschrieben. K07 öffnet nun die Frequenzachse lokal: Eine reale verlustfreie Materialantwort kann für benachbarte Spektralkomponenten unterschiedliche Wellenzahlen besitzen. Dann sind Phasengeschwindigkeit, Gruppengeschwindigkeit und Gruppenlaufzeitdispersion nicht mehr dieselbe Information.

01 · Lokale k(ω)-Geometrie

Die Steigung von k(ω) bestimmt die Hüllkurvengeschwindigkeit; die Krümmung verändert den Puls

Am Träger ω₀ ist k₀=n₀ω₀/c₀. Die Tangentensteigung β₁=dk/dω liefert die Gruppenlaufzeit pro Länge und damit vg=1/β₁. Erst die Krümmung β₂=d²k/dω² lässt verschiedene Spektralkomponenten innerhalb eines schmalbandigen Pakets gegeneinander laufen.

Phase

vφ = c₀/n₀

Ein einzelner Trägerberg folgt der lokalen Phase. Diese Geschwindigkeit hängt vom Wert der Dispersionsrelation am Träger ab.

Hüllkurve

vg = c₀/ng

Für ein schmales Spektrum folgt die Hüllkurve der Tangente an k(ω). Deshalb gilt ng=n+ω dn/dω.

Pulsform

β₂ ≠ 0

Eine gekrümmte Dispersionsrelation erzeugt frequenzabhängige Gruppenlaufzeit. Ein transformlimitiertes Gauß-Paket verbreitert sich und erhält einen Chirp.

Lokales Modell, keine globale Materialtheorie.

Die Taylor-Entwicklung gilt nur in einem begrenzten Spektralfenster um ω₀. K07 modelliert hier reelle, verlustfreie Dispersion. Absorption und komplexe Ausbreitung wurden in K05 getrennt behandelt; K08 ergänzt geometrische Dispersion durch Randbedingungen. Eine lokale Gruppengeschwindigkeit kann in dispersiven Modellen auch größer als c₀ oder formal anomal erscheinen; daraus folgt keine superluminale Signal- oder Informationsgeschwindigkeit.

02 · Interaktives Labor

Dispersions- und Puls-Labor

Stelle lokalen Phasenindex, Gruppenindex und GVD unabhängig ein. Das Lab zeichnet die Taylor-Näherung von k(ω), ihre Tangente bei ω₀ und die analytische Entwicklung eines schmalbandigen Gauß-Pakets über die Strecke L.

DispersionskurveKrümmung relativ zur Trägertangente
Steigung—
Lokale DispersionsrelationKrümmungsanteil k minus Trägertangente über dem spektralen Koordinatenfenster Ωτ₀; die Nulllinie entspricht der linearen Tangente.
λ₀ im Medium—
Phasengeschwindigkeit vφ—
Gruppengeschwindigkeit vg—
Gruppenlaufzeit L/vg—
β₁—
β₂L/τ₀²—
Ausgangsbreite τL—
Broadening τL/τ₀—
PaketentwicklungEingangs- und ausgebreitete Gauß-Hüllkurve
Chirp—
Gauß-Paket vor und nach dispersiver AusbreitungVergleich der normierten Eingangshüllkurve mit der verbreiterten Ausgangshüllkurve in einer mit der Gruppenlaufzeit zentrierten Zeitkoordinate.
Phase vs. GruppeTrägerphase und Ankunft der Hüllkurve
Δt—
Phasen- und GruppenlaufzeitZwei Laufzeitmarker vergleichen L geteilt durch Phasengeschwindigkeit und L geteilt durch Gruppengeschwindigkeit.
Phasenindex—
Gruppenindex—
β₁-Konsistenz—
Gauß-Breite—
Interpretation

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03 · Einordnung & Übergang

K07 trennt Materialdispersion von der geometrischen Dispersion in K08

Hier hängt die Wellenzahl vom Material und der Frequenz ab, obwohl der Raum homogen bleibt. In K08 erzwingen Randbedingungen diskrete Moden und damit eine zusätzliche, rein geometrische k(ω)-Struktur.

Aus K03–K05Materialantwort

Phasenindex, Impedanz und Verluste wurden jeweils frequenzlokal beschrieben.

Dieses KapitelMaterialdispersion

dk/dω und d²k/dω² kontrollieren Hüllkurvenlaufzeit und Pulsform.

K08Wellenleiter

Randflächen quantisieren nun die transversale Struktur und erzeugen modale Cutoffs sowie geometrische Dispersion.

M08K08 · Wellenleiter

Randbedingungen machen aus einer kontinuierlichen Welle diskrete geführte Moden.

In K07 war k(ω) durch die Materialantwort gekrümmt. Ein ideal leitender rechteckiger Hohlleiter erzeugt eine zweite Quelle von Dispersion: Die metallischen Wände quantisieren die transversale Feldstruktur. Aus dem freien Material-Wellenvektor k bleibt für die axiale Ausbreitung nur βz übrig.

01 · Geometrische Dispersion

Der Querschnitt reserviert einen festen transversalen Wellenzahlanteil.

Für einen rechteckigen PEC-Hohlleiter mit Breite a, Höhe b und homogener Füllung ε, μ werden nur Feldmuster zugelassen, die die Randbedingungen an allen vier Wänden erfüllen.

Transversale Quantisierung

k² = kc² + βz²

k=nω/c₀ stammt aus dem Füllmedium. kc wird ausschließlich durch Querschnitt und Modenindizes festgelegt.

Grenzfrequenz

fc = vm/2 · √[(m/a)²+(n/b)²]

Mit vm=1/√(με). Unterhalb fc existiert kein reelles axiales βz; der Modus ist evaneszent.

Geschwindigkeitstrennung

vpvg = vm²

Für die ideale nichtdispersive Füllung gilt oberhalb der Grenzfrequenz vp>vm und vg<vm. Eine überlichtschnelle Phasengeschwindigkeit transportiert keine Information.

Modenvertrag.

TE-Moden dürfen m=0 oder n=0 besitzen, aber nicht beide gleichzeitig. Für TM-Moden gilt m,n≥1. Das Lab zeigt die normierte longitudinale Modenkomponente Hz (TE) bzw. Ez (TM), nicht die vollständige Vektorfeldrekonstruktion.

02 · Interaktives Labor

Wellenleiter-Modenlabor

Wähle Geometrie, Füllmedium, Frequenz und Modus. Das Lab entscheidet aus f/fc, ob der axiale Faktor propagierend oder evaneszent ist, und koppelt Querschnittsmuster, Dispersionskurve und axiale Entwicklung.

Querschnitt—
Komponente—
Normierte longitudinale ModenstrukturRechteckiger Hohlleiterquerschnitt mit normierter longitudinaler TE- oder TM-Modenkomponente.
Axialfaktor—
Regime—
Axialer ModenfaktorOberhalb Cutoff oszilliert der axiale Phasenfaktor; unterhalb Grenzfrequenz fällt die normierte Amplitude exponentiell ab.
Grenzfrequenz fc—
f/fc—
Material-λ—
guided λg—
βz / αz—
Phasengeschwindigkeit vp—
Gruppengeschwindigkeit vg—
Modenimpedanz—
ModendispersionAxiale Ausbreitung über der normierten Frequenz
aktuell—
Normierte HohlleiterdispersionKurven für propagierende longitudinale Wellenzahl oberhalb der Grenzfrequenz und evaneszente Abklingkonstante unterhalb Cutoff.
Axialkonsistenz—
Grenzfrequenz-Konsistenz—
Geschwindigkeitsprodukt—
geführte Wellenlänge—
Interpretation

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03 · Einordnung & Übergang

K08 macht Dispersion aus Geometrie — auch bei nichtdispersiver Füllung.

K07 krümmte k(ω) durch Frequenzabhängigkeit des Materials. K08 hält das Füllmedium lokal nichtdispersiv und erzeugt die Frequenzabhängigkeit von βz allein durch transversale Randbedingungen.

Aus K07Materialdispersion

Eine frequenzabhängige Materialrelation verändert bereits den Betrag des freien k(ω).

Dieses KapitelGeometrische Dispersion

βz=√(k²−kc²) trennt transversale Struktur von axialem Transport und erzeugt eine Grenzfrequenz.

WeiterführungM08K09 · Nahfeld / Fernfeld

K09 fragt nicht nach geschlossenen Wänden, sondern danach, wann quellennahe reaktive Felder in strahlungsdominierte Fernfelder übergehen.

M08K09 · Nahfeld / Fernfeld

Nah- und Fernfeld sind asymptotische Feldregime, keine harte Grenzfläche.

Außerhalb eines Wellenleiters hängt die Feldstruktur nicht nur von der Wellenlänge, sondern auch von Quelle, Aperturgröße und Beobachtungsdistanz ab. Quellennahe Terme können mit 1/r³ und 1/r² abfallen; der eigentliche Strahlungsterm fällt mit 1/r. Für eine endliche Apertur kommt eine zweite Frage hinzu: Ist die sphärische Phasenfront über die Ausdehnung D bereits hinreichend eben?

01 · Zwei unabhängige Fragen

„Fern genug“ bedeutet zugleich: quellennahe Terme sind klein und die endliche Quelle erscheint phasenflach

Es gibt keine universelle einzelne Nah-/Fernfeldgrenze. Zwei dimensionslose Größen beantworten unterschiedliche Aspekte: kr misst die Entfernung in lokalen Wellenphasen, während D²/(λr) die Phasenkrümmung über einer endlichen Apertur erfasst.

Reaktive Quellterme

1/r³ und 1/r²

Am elektrischen Dipol zeigen die lokalen Feldlösungen quasistatische und induktive Terme zusätzlich zum Strahlungsterm. Im Nahfeld können Feldenergie und Quellenkopplung dominieren; E/H=η ist dort keine allgemeine Ebenwellenrelation.

Strahlungsasymptote

1/r und 1/r²

Im Fernfeld dominieren transversale Strahlungsterme mit Feldamplitude ∝1/r. Daraus folgt für die zeitlich gemittelte Leistungsdichte ⟨S⟩∝1/r²; das Winkelmuster wird asymptotisch entfernungsunabhängig.

Endliche Öffnung

Fresnel → Fraunhofer

Für eine Quelle maximaler Ausdehnung D ist RF≈2D²/λ die gebräuchliche Fraunhofer-Distanz. Sie entspricht in paraxialer Näherung einem Mittelpunkt-Rand-Phasenfehler von etwa π/8.

Regionen sind Konventionen, keine Phasenübergänge.

Die oft verwendete reaktive Nahfeldgrenze RR≈0.62√(D³/λ) und die Fraunhofer-Grenze RF≈2D²/λ sind antennengeometrische Engineering-Heuristiken. Für elektrisch kleine Quellen kann ein sauber geordnetes Dreizonenbild verschwinden. Das Lab zeigt deshalb zusätzlich die lokalen kr-Termskalen und behandelt beide Kriterien getrennt.

02 · Interaktives Labor

Nah-/Fernfeld-Konzeptlabor

Variiere Frequenz, größte Quell-/Aperturabmessung und Beobachtungsdistanz. Das Lab koppelt die lokale Dipol-Termskala an die endliche Aperturgeometrie, ohne daraus eine künstlich universelle Grenze zu konstruieren.

EntfernungsdarstellungLokale und Aperturskalen
lokal—
Logarithmische Nah- und FernfeldskalenEine logarithmische Distanzachse vergleicht den lokalen kr gleich eins Maßstab, die reaktive Antennenheuristik, die Fraunhofer-Distanz und die aktuelle Beobachtungsdistanz.
Dipol-SkalierungsperspektiveNahfeldterm-Amplitude relativ zur 1/r-Strahlung
Geometrie—
Relative Feldterm-SkalierungLogarithmische Kurven zeigen die 1 durch r hoch drei und 1 durch r hoch zwei Terme relativ zum 1 durch r Strahlungsterm als Funktion von r durch Lambda.
Wellenlänge λ—
kr—
1/r³ : 1/r—
1/r² : 1/r—
Fresnel number D²/(λr)—
exakter Randphasenfehler—
RR heuristic—
RF ≈ 2D²/λ—
heuristic ordering—
quasistatische Skalierung—
Induktionsskalierung—
exakte Phasengeometrie—
Fraunhofer-Konvention—
Interpretation

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03 · Einordnung & Übergang

K09 trennt Feldzone von Antennengeometrie — K10 baut daraus das Abstrahlungsbild.

K09 beantwortet, wann lokale Quellenfelder und endliche Phasenkrümmung vernachlässigbar werden. Es definiert noch keine konkrete Antenne, keinen Gewinn und keine Link-Budget-Geometrie.

Aus K08Geführtes Feld

Im Hohlleiter bestimmten Wände und Moden die Ausbreitung. Außerhalb einer Quelle fällt diese geschlossene Randbedingung weg.

Dieses KapitelFeldzonen-Asymptotik

kr, D²/(λr) und die unterschiedlichen Potenzen von 1/r quantifizieren den Übergang.

WeiterführungM08K10 · Antenna concept

K10 führt Apertur, Richtwirkung, Gewinn, Polarisation und Propagationsgeometrie als zusammenhängendes Antennenmodell ein.

M08K10 · Antennenkonzept und Ausbreitungsgeometrie

Eine Antenne koppelt lokale Feldstruktur an räumliche Energieverteilung.

K09 hat geklärt, wann eine endliche Quelle aus ausreichender Entfernung als Fernfeldstrahler behandelt werden darf. K10 setzt dort an: Die abgestrahlte Leistung ist nicht gleichmäßig über den Raum verteilt. Richtwirkung beschreibt diese Winkelverteilung, Gewinn ergänzt die Effizienz, Polarisation bestimmt die Feldkopplung und die freie Raumgeometrie legt fest, welcher Anteil die Empfangsapertur erreicht.

01 · Vom Feld zur Übertragungsstrecke

Richtwirkung, Gewinn, Apertur und Polarisation sind verschiedene Faktoren derselben Energiekette

Im Fernfeld kann die zeitlich gemittelte radiale Leistungsdichte über die Strahlungsintensität U=r²⟨Sr⟩ beschrieben werden. Daraus folgt die dimensionslose Direktivität. Erst die Effizienz macht daraus den Gewinn; auf Empfangsseite wird derselbe Gewinn über die effektive Apertur wieder zu einer Fläche.

Winkelumverteilung

Direktivität ist keine zusätzliche Leistung

D(θ,φ)=4πU/Prad vergleicht die Leistung pro Raumwinkel mit einem isotropen Referenzstrahler gleicher Gesamtstrahlungsleistung. Eine schmale Hauptkeule erhöht U in bestimmten Richtungen, ohne Energie zu erzeugen.

Effizienz und Reziprozität

Gewinn verbindet Richtwirkung mit Verlusten

Für das vereinfachte Modell gilt G=ηD. Bei linearen, passiven und reziproken Antennen sind Sende- und Empfangsrichtdiagramm miteinander verknüpft; die Empfangswirkung lässt sich durch Ae=Gλ²/(4π) ausdrücken.

Geometrie und Polarisation

Friis braucht Fernfeld und passende Feldorientierung

Die freie Raumstrecke liefert den Faktor (λ/4πR)². Für zwei lineare Polarisationen mit Winkel ψ kommt χpol=cos²ψ hinzu. Bei orthogonaler Polarisation verschwindet der ideale Kopplungsanteil.

Konkretes Lab-Modell, keine universelle Antennenformel.

Das Lab benutzt zwei idealisierte, rotationssymmetrische Kreisaperturen mit elektrischem Durchmesser D/λ. Für die Hauptkeule gilt das gleichmäßig beleuchtete Aperturmodell F(θ)=[2J₁(x)/x]² mit x=π(D/λ)sinθ und näherungsweise D₀≈(πD/λ)². Dipole, Schleifen, Arrays und reale Aperturen besitzen andere Diagramme, Nebenkeulen und Effizienzen; die allgemeinen Begriffe Direktivität, Gewinn, effektive Apertur und Friis bleiben davon getrennt.

02 · Interaktives Labor

Antennen- und Funkstrecken-Geometrielabor

Skaliere Frequenz, elektrische Aperturgrößen, Effizienzen, Entfernung, Ausrichtungswinkel und Polarisation. Das Lab berechnet das Aperturmuster, prüft die gemeinsame Fraunhofer-Bedingung und schließt die Empfangsleistung sowohl über Leistungsfluss × effektive Apertur als auch direkt über die Friis-Gleichung.

AusbreitungsgeometrieTx-Hauptstrahlrichtung, Verbindungsrichtung und Polarisation
validity—
Antennen- und LinkgeometrieSendeapertur, Hauptkeulenreferenz, Empfängerposition, Linkrichtung und lineare Polarisationsachsen.
Sendekeulen-SchnittGleichförmige Kreisapertur · normierte Leistung
Keule—
Normierter Apertur-RichtdiagrammschnittLeistungsrichtdiagramm der idealisierten Kreisapertur in Dezibel von minus neunzig bis plus neunzig Grad mit markiertem aktuellen Empfängerwinkel.
Wellenlänge λ—
Sendgewinn auf Hauptachse—
Richtfaktor F(θ)—
Tx-Gewinn bei θ—
Empfangsgewinn auf Hauptachse—
Effektive Empfangsapertur Ae—
Freiraumdämpfung—
Polarisation χpol—
Fraunhofer-Skala—
empfangene Leistung—
Gewinndefinition—
effektive Apertur—
Leistungsfluss / Friis—
Freiraumgeometrie—
Interpretation

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03 · Modulabschluss & Übergang

M08 endet bei klassischer Ausbreitungs- und Kopplungsgeometrie — M09 fragt, wie Strahlung Energie an Materie überträgt.

K10 verbindet das Fernfeld aus K09 mit einer konkreten Sende-/Empfangskette. Es bleibt vollständig klassisch: Frequenz, Wellenlänge, Feldleistung, Richtdiagramm und Apertur reichen aus. Die Quantisierung der Strahlungsenergie oder mikroskopische Absorptionsprozesse werden bewusst nicht vorweggenommen.

Aus K09Fernfeld-Gültigkeit

Die Fraunhofer-Skala legt fest, wann Winkelmuster und 1/R²-Leistungsgeometrie als Fernfeldmodell verwendet werden dürfen.

Dieses KapitelAntenne → Funkstrecke: Konsistenz

Direktivität, Gewinn, effektive Apertur, Polarisation und Friis bilden eine geschlossene klassische Energiekette vom eingespeisten Sender bis zur ideal empfangenen Leistung.

Als NächstesM09 · Strahlung & Materie

M09 behält die elektromagnetische Energietransportperspektive bei, ergänzt aber Spektren, Emission/Absorption und schließlich die Photonenbeschreibung E=hν.