Zustand
Beim mechanischen Oszillator genügt der Zustandsvektor aus Auslenkung und Geschwindigkeit:
Eine Schwingung ist kein gezeichneter Sinus, sondern die zeitliche Entwicklung eines Zustands. Bereits ein Masse-Feder-System bildet einen geschlossenen Rückkopplungskreis: Aus der Lage entsteht Kraft, aus Kraft Beschleunigung, daraus Geschwindigkeit und wieder eine neue Lage.
Für die zukünftige Entwicklung reichen Eingangsgrößen allein nicht. Entscheidend ist, in welchem Zustand sich das System gerade befindet.
Beim mechanischen Oszillator genügt der Zustandsvektor aus Auslenkung und Geschwindigkeit:
Die Feder erzeugt eine Kraft entgegen der Auslenkung. Der aktuelle Zustand verändert damit seine eigene weitere Entwicklung.
Newton koppelt Kraft an Beschleunigung. Damit entsteht ein System erster Ordnung in zwei Zustandsgrößen.
Die Rückstellkraft dreht die Bewegungsrichtung nicht sofort um. Zuerst ändert sie die Geschwindigkeit. Genau diese gespeicherte Bewegung erzeugt das fortgesetzte Überschwingen.
Die beiden Integrationen a → v und v → x liefern dem System sein Gedächtnis. Ohne Anfangszustand gibt es daher keine vollständige Vorhersage.
Verändere Masse, Federsteifigkeit und Anfangszustand. Die drei Darstellungen zeigen dieselbe Simulation gleichzeitig als Mechanik, Zeitverlauf und Zustandsbahn.
Die Achsen sind mit A bzw. Aω₀ normiert. Im ungedämpften idealen Modell bleibt die Gesamtenergie konstant; die Zustandsbahn schließt sich deshalb.
Zu jedem Zeitpunkt werden nur der aktuelle Zustand und die Systemparameter benötigt. Die nächste Zustandsänderung folgt daraus deterministisch.
Die Bewegung entsteht durch fortlaufenden Austausch zwischen kinetischer und elastischer Energie. Im idealen K01-Modell wird keine Energie dissipiert.
Diese bewusste Reduktion isoliert die Dynamik. Dämpfung und externe Kräfte werden später als zusätzliche Systemkopplungen eingeführt.
Eine Position allein genügt nicht: gleiche Auslenkung bei anderer Geschwindigkeit bedeutet eine andere Zukunft.
Die aktuelle Lage verändert über die Kraft die eigene zeitliche Entwicklung.
Beschleunigung verändert Geschwindigkeit; Geschwindigkeit verändert Position. Der Zustand springt im idealen Modell nicht.
Reale Systeme verlieren Energie und werden angeregt. Diese zusätzlichen Terme erweitern später dieselbe Grundstruktur.
Das dynamische System aus K01 besitzt im idealen linearen Fall eine geschlossene Lösung. Aus Masse und Federsteifigkeit folgt eine charakteristische Eigenkreisfrequenz; der Anfangszustand legt fest, welche konkrete Bahn auf dieser Systemdynamik realisiert wird.
Das Zustandsmodell aus K01 lässt sich zu einer einzigen Differentialgleichung zusammenfassen. Diese Form macht die Eigenstruktur des Systems unmittelbar sichtbar.
Die lineare Feder liefert eine Kraft proportional zur Auslenkung. Ohne Dämpfung und äußere Kraft ist dies das vollständige Modell.
Die gesamte Zeitstruktur des idealen Systems steckt in einer einzigen Systemgröße: der Eigenkreisfrequenz ω₀.
Die rein imaginären Eigenwerte bedeuten: keine exponentielle Verstärkung und kein Abklingen — der Zustand rotiert periodisch im Phasenraum.
Masse und Feder legen die Systemfrequenz fest. Auslenkung und Geschwindigkeit bei t = 0 bestimmen, wie diese Eigenbewegung gestartet wird.
Diese Form ist besonders nützlich, weil sie direkt mit dem Zustand aus K01 arbeitet. Für jeden zulässigen Anfangszustand liefert sie die vollständige zukünftige Bewegung.
k ↑ macht das System schneller, m ↑ macht es träger.
Amplitude und Phase sind eine alternative Kodierung desselben Anfangszustands. K03 untersucht diese Größen systematisch.
Verändere die Systemparameter und den Anfangszustand. Die analytische Lösung wird direkt berechnet; zusätzlich erzeugt derselbe Zustand eine numerische RK4-Referenz wie in K01. Beide müssen im idealen Modell übereinanderliegen.
Bei gleicher Auslenkung wächst die Rückstellkraft. Der Zustand wird schneller zur Gleichgewichtslage beschleunigt.
Dieselbe Kraft erzeugt weniger Beschleunigung. Die Zustandsentwicklung wird langsamer.
Anfangsbedingungen verändern Amplitude und Phasenlage, aber nicht die Eigenkreisfrequenz des linearen Systems.
Hookes Gesetz wird als exakt linear angenommen. Reale Federn können bei großen Auslenkungen nichtlinear werden.
Ohne Reibung bleibt die Energie konstant. Dämpfung wird in K05 als zusätzlicher Term eingeführt.
Das System schwingt nur aus seinem Anfangszustand heraus. Erzwungene Bewegung folgt in K06.
Ein Freiheitsgrad besitzt hier genau eine Eigenfrequenz. Gekoppelte Systeme entwickeln mehrere Moden — Thema K09.
K02 liefert die geschlossene Bewegung. K03 macht daraus präzise Messgrößen: Wie groß ist die Schwingung, wie oft wiederholt sie sich und an welcher Stelle ihres Zyklus befindet sie sich gerade?
Für eine gegebene Gleichgewichtslage beschreibt die Cosinusform die vollständige Bewegung kompakt.
Maximaler Betrag der Auslenkung relativ zur Gleichgewichtslage. Sie legt die räumliche Skala der Bewegung fest.
Kleinste positive Zeitspanne, nach der sich der gesamte Zustand wiederholt.
Anzahl vollständiger Zyklen pro Sekunde. Sie ist der Kehrwert der Periodendauer.
Winkelkoordinate des Zustands innerhalb des periodischen Zyklus. Phasen unterscheiden sich nur modulo 2π.
Verdoppelt sich die Frequenz, halbiert sich die Zeit für einen Zyklus.
Die Kreisfrequenz misst Phasenfortschritt in Radiant pro Sekunde.
Nach einer Periodendauer gilt Δθ = 2π: geometrisch ist der Zyklus geschlossen.
Eine Zeitfunktion und ein rotierender Phasenzeiger zeigen dieselbe Bewegung in zwei Koordinatensystemen. Amplitude, Frequenz und Anfangsphase bleiben in beiden Darstellungen geometrisch gekoppelt.
Die Breite des Fensters entspricht drei Perioden. Dadurch bleibt die geometrische Bedeutung von T unabhängig von der eingestellten Frequenz sichtbar.
Bei festem A und ω legt φ fest, wo auf der geschlossenen Zustandsbahn die Beobachtung bei t = 0 beginnt.
Damit ist die Verbindung zu K02 vollständig: Anfangsauslenkung und Anfangsgeschwindigkeit lassen sich eindeutig in Amplitude und Phase umrechnen, solange ω bekannt ist.
Winkel, die sich um ganze Umdrehungen unterscheiden, beschreiben denselben Punkt im Zyklus.
f zählt Zyklen pro Sekunde, ω zählt Radiant pro Sekunde. Numerisch unterscheiden sie sich um den Faktor 2π.
Phase ist dimensionslos bzw. ein Winkel. Zeit wird erst durch ω in Phasenfortschritt übersetzt.
A ist die maximale Auslenkung; x(t) liegt innerhalb des Intervalls −A … +A.
Der Nullpunkt der Phase kann gewählt werden. Physikalisch besonders relevant werden später Phasendifferenzen zwischen Signalen.
Im idealen harmonischen Oszillator verschwindet Energie nicht und wird nicht von außen zugeführt. Sie wandert periodisch zwischen zwei Speichern: kinetischer Energie der Masse und potentieller Energie der Feder.
Die potentielle Energie hängt ausschließlich von der Auslenkung ab, die kinetische ausschließlich von der Geschwindigkeit.
Maximal an den Umkehrpunkten x = ±A. Dort steht die Masse momentan still.
Maximal beim Durchgang durch die Gleichgewichtslage x = 0. Dort ist der Betrag der Geschwindigkeit maximal.
Für den ungedämpften, nicht angeregten Oszillator bleibt E konstant.
Die Summe der beiden Energiespeicher ändert sich nicht. Energie wird nur intern zwischen Feder und Masse umverteilt.
Verändere Masse, Federsteifigkeit und Anfangsamplitude. Das Lab zeigt Bewegung und Energieverteilung synchron — einschließlich des charakteristischen Energieaustauschs mit doppelter Frequenz.
Die beiden Anteile ergänzen sich jederzeit exakt zur Gesamtenergie.
Innerhalb einer mechanischen Periode T besitzt jede Energiekomponente zwei Maxima.
Zustandsgröße v, Energie ½mv².
Zustandsgröße x, Energie ½kx².
Diese Sicht ist später direkt übertragbar: auf elektrische LC-Schwingkreise, akustische Resonatoren und elektromagnetische Feldspeicher.
Reale Oszillatoren verlieren mechanische Energie. Ein linearer Dämpfer ergänzt die Rückstellkraft um eine geschwindigkeitsabhängige Gegenkraft. Dadurch ändert sich nicht nur die Amplitude, sondern die gesamte Geometrie der Zustandsbahn.
Für lineare viskose Dämpfung wirkt die Dämpferkraft stets entgegen der momentanen Bewegungsrichtung.
Der Dämpfer reagiert nicht auf die Position, sondern auf die Änderungsrate des Zustands.
Mit c = 0 fällt das Modell exakt auf den idealen Oszillator aus K01–K04 zurück.
Das Dämpfungsmaß ζ entscheidet über das qualitative Bewegungsregime.
Das System schwingt weiter, aber seine Hüllkurve fällt exponentiell ab.
Doppelter reeller Eigenwert. Für den Referenzfall „Auslenkung aus Ruhe“ ergibt sich die schnellste aperiodische Rückkehr ohne Überschwingen.
Zwei reelle Zerfallsmoden; die Rückkehr ist langsamer und nicht schwingend.
Die Energie nimmt nur dann momentan nicht ab, wenn v = 0. Über einen vollständigen Bewegungsabschnitt ist der Nettofluss bei c > 0 stets aus dem mechanischen System heraus gerichtet.
Verändere m, k, c und den Anfangszustand. Das Lab klassifiziert das Regime automatisch und zeigt dieselbe Dynamik synchron im Zeitbereich, Phasenraum und Energieverlauf.
Exakte Hüllkurve des unterdämpften Falls.
Spiralbahn zur Ruhelage
Die Hüllkurve fällt wie e−αt.
Nach τ ist die Amplitudenhüllkurve auf 1/e ihres Anfangswerts gefallen.
Nur für ζ < 1 existiert eine oszillatorische Eigenbewegung.
Stoßdämpfer kontrollieren Aufbau- und Radschwingungen.
Viskose, thermische und Strahlungsverluste begrenzen die Güte.
Ohmscher Widerstand spielt mathematisch dieselbe dissipative Rolle.
Reibung und turbulente Prozesse entziehen geordneten Bewegungen Energie.
Bis K05 entwickelte sich der Oszillator ausschließlich aus seinem Anfangszustand. Jetzt koppeln wir eine äußere periodische Quelle an das System. Die Bewegung besteht dann aus einem abklingenden Einschwinganteil und einer dauerhaft erzwungenen stationären Antwort.
Der Dämpfer entzieht weiterhin Energie. Die äußere Quelle kann diese Verluste fortlaufend ersetzen.
Amplitude F₀ und Kreisfrequenz Ω sind Eigenschaften der Quelle — nicht des Oszillators.
Die rechte Seite macht aus dem autonomen System ein angeregtes System.
ω₀ gehört zum System. Ω wird von außen aufgeprägt.
Löst die homogene Gleichung aus K05 und verschwindet bei c > 0 mit der Zeit.
Bleibt nach dem Einschwingen erhalten und oszilliert exakt mit der Quellenfrequenz Ω.
Für eine harmonische Quelle ist die stationäre Antwort wieder harmonisch — jedoch im Allgemeinen mit anderer Amplitude und zeitlicher Verzögerung.
Die Quelle bestimmt Ω. Das System bestimmt daraus X und δ.
Mit dieser Form liegt δ konsistent zwischen 0 und π.
Die numerische RK4-Antwort startet aus Ruhe. Gleichzeitig wird die analytische stationäre Lösung berechnet. So wird sichtbar, wie der Einschwinganteil verschwindet und die Bewegung an die Quelle gekoppelt bleibt.
Im Phasorbild ist die Kraft Referenz bei 0°. Die stationäre Auslenkung folgt um δ verzögert.
Über einen vollständigen stationären Zyklus bleibt die mittlere gespeicherte mechanische Energie konstant.
Amplitude und Frequenz der externen Quelle.
Speicher, Rückkopplung und Dissipation formen die Übertragung.
Stationäre Antwortamplitude und Phasenverzug.
In K06 betrachteten wir einzelne Anregungsfrequenzen. Jetzt wird Ω systematisch variiert. Dadurch erscheint die Frequenzantwort als Eigenschaft des gesamten Quelle–System–Antwort-Netzes: Dämpfung verschiebt und begrenzt das Maximum der Verschiebungsamplitude, während die maximale mittlere Leistungsaufnahme an einer anderen, präzise definierten Stelle liegt.
Die absolute Antwort aus K06 lässt sich mit der statischen Auslenkung Xstat = F₀/k normieren. Übrig bleibt eine dimensionslose Vergrößerungsfunktion, die nur noch vom Frequenzverhältnis r und der Dämpfungszahl ζ abhängt.
r = 1 bedeutet: Die Quellenfrequenz entspricht der ungedämpften Eigenkreisfrequenz des Systems.
Diese Auslenkung würde dieselbe Kraft als konstante Last erzeugen. Sie liefert die natürliche Amplitudenskala.
Die Resonanzkurve ist damit unabhängig von F₀; die Kraft skaliert die absolute Antwort linear.
Das oft verwendete „Resonanz bei Ω = ω₀“ ist für die Verschiebungsamplitude nur im schwach gedämpften Grenzfall exakt genug.
Damit gilt Ωpeak = ω₀√(1 − 2ζ²). Für kleine ζ nähert sich der Peak r = 1.
Nur dann besitzt die Verschiebungsantwort ein inneres Maximum bei Ω > 0. Oberhalb dieser Grenze fällt M(r) von r = 0 an monoton.
Im idealisierten Grenzfall ζ → 0 wächst der Peak ohne Begrenzung. Reale Verluste verhindern diese mathematische Singularität.
Verändere Systemparameter, Dämpfung und aktuelle Anregungsfrequenz. Die obere Kurve zeigt die Verschiebungsvergrößerung, die untere die normierte mittlere Leistungsaufnahme. So werden Amplitudenresonanz und maximale Energieaufnahme direkt vergleichbar.
Die gestrichelte Referenz markiert r = 1; der Peakmarker zeigt das tatsächliche Maximum der Verschiebungsamplitude.
Für viskose Dämpfung liegt das Leistungsmaximum exakt bei r = 1 — unabhängig von der Verschiebungs-Peakverschiebung.
Im stationären Zustand entspricht dieser Mittelwert der mittleren Leistung, welche die äußere Quelle zuführt.
Bei viskoser Dämpfung ist die Energieübertragung von der Quelle in das dissipative System genau bei r = 1 maximal.
Die Verschiebung maximiert eine kinematische Observable. Die Leistung enthält zusätzlich den Faktor Ω² und hängt über v = ΩX direkt von der Geschwindigkeit ab. Daher verschieben sich die Optima gegeneinander.
Masse und Feder tauschen kinetische und potenzielle Energie. Diese Speicherstruktur erzeugt die charakteristische Eigenfrequenz.
Dämpfung begrenzt die Akkumulation, senkt den Peak und kann einen ausgeprägten Verschiebungs-Resonanzpeak vollständig verschwinden lassen.
Die Quelle liefert Energie. Entscheidend ist nicht nur ihre Stärke, sondern wie ihre Zeitstruktur zur Systemdynamik passt.
Unwucht, Straßenanregung und elastische Strukturen erzeugen frequenzselektive Schwingungsantworten.
Luftvolumen, Halsmasse und Verluste bilden mechanisch analoge Speicher- und Dissipationsstrukturen.
→ M05K07 · Resonators and pipesInduktivität und Kapazität speichern Energie, Widerstand dissipiert sie; die mathematische Frequenzantwort ist strukturell äquivalent.
K07 zeigte, wo Resonanzmaxima liegen. K08 misst nun, wie selektiv das System ist. Güte Q, Dämpfungszahl ζ, Polabklingrate σ und Bandbreite Δω beschreiben dieselbe zweite Ordnung aus vier Blickwinkeln: Frequenzselektion, Verlust, Zeitabklingen und Systempole.
Für den linearen viskos gedämpften Oszillator ist Q direkt im normierten Nenner der zweiten Ordnung enthalten. In dieser Systemdefinition ist die Beziehung zu ζ exakt; erst die Gleichsetzung mit beliebigen gemessenen −3-dB-Breiten benötigt zusätzliche Bedingungen.
Mit ζ = c/(2√(km)) folgt ebenso Q = √(km)/c = mω0/c.
Im unterkritischen freien System trägt die Amplitudenhülle den Faktor e−σt. Kleine σ bedeuten langes Nachschwingen.
Q vergleicht die charakteristische Schwingungsrate mit der Verlust- bzw. Abklingrate.
Wir verwenden dieselbe normierte mittlere Leistungsaufnahme wie in K07. Die −3-dB-Punkte liegen dort, wo nur noch die Hälfte der maximalen mittleren Leistung aufgenommen wird.
Das geometrische Mittel bleibt exakt √(r−r+) = 1. Die Eigenfrequenz liegt also logarithmisch in der Mitte.
Daraus folgt Δω = 2ζω0 = c/m.
Für diese explizit definierte Leistungs-Halbwertsbreite ist die Beziehung exakt, nicht nur eine Klein-Dämpfungs-Näherung.
Ändere Masse, Steifigkeit und Dämpfungszahl. Frequenz- und Zeitbereich reagieren gemeinsam: eine schmalere −3-dB-Breite geht unmittelbar mit langsamerem exponentiellem Abklingen einher.
r− und r+ markieren exakt P̄/P̄max = 0,5. Die horizontale Linie entspricht −3,010 dB.
Die x-Achse zählt ungedämpfte Eigenperioden T₀. Der 1/e-Punkt liegt bei N = Q/π.
Das entspricht P/Pmax = 1/2. Für die in K07 definierte dissipierte Leistung liefert dies die exakten Punkte r−, r+.
Hier ist A/Amax = 1/√2. Bei der Verschiebungsantwort liegen diese Punkte im Allgemeinen nicht exakt an denselben Frequenzen wie die Leistungs-Halbwertspunkte.
Für ζ ≪ 1 verschmelzen ωpeak, ω₀ und die verschiedenen Bandbreitendefinitionen praktisch. Bei stärkerer Dämpfung muss die Observable genannt werden.
Langsames Ring-down, schmale Leistungsbandbreite und starke Frequenzselektion.
Schnelles Abklingen, breite Leistungsbandbreite und geringe Frequenzselektion.
Für die Leistungs-Halbwertsbreite gilt damit zugleich Q = ω₀/(2σ) = ω₀/Δω.
Hohe Q-Werte erzeugen schmale akustische Resonanzen und langes Ausschwingen; Verluste an Wänden und Öffnungen verbreitern sie.
Widerstände bestimmen Verluste, L und C die Speicherstruktur. Q erscheint direkt als Selektivitätsparameter zweiter Ordnung.
Modalgüte und Dämpfungsmaß verbinden Ring-down-Messungen mit Peaks im Frequenzgang.
Zwei Freiheitsgrade verändern die Logik des Systems grundlegend: Die physikalischen Koordinaten sind gekoppelt, doch geeignete Linearkombinationen entkoppeln die Dynamik wieder. Diese Normalmoden sind die diskrete Vorstufe von Eigenmoden, stehenden Wellen und schließlich kontinuierlicher Wellenausbreitung.
Beide Massen besitzen dieselbe Masse m und dieselbe äußere Federsteifigkeit k. Die mittlere Feder mit Steifigkeit κ koppelt die Auslenkungen x₁ und x₂.
Die Beschleunigung einer Masse hängt nun auch von der Position der anderen ab. x₁ und x₂ sind keine unabhängigen Ein-Freiheitsgrad-Systeme mehr.
Die Kopplung erscheint als Nebendiagonale der Steifigkeitsmatrix. Damit wird aus der Skalargleichung aus K02 ein Eigenwertproblem.
Nicht jede relative Bewegung behält ihre Form. Nur Eigenvektoren φ reproduzieren sich während der Schwingung mit einer einzigen Eigenkreisfrequenz ω.
Wegen der Symmetrie ergeben sich zwei orthogonale Bewegungsformen. Ihre modalen Koordinaten qₛ und qₐ entwickeln sich unabhängig wie zwei harmonische Oszillatoren.
Beide Massen bewegen sich gleich. Die Kopplungsfeder ändert ihre Länge nicht und speichert deshalb in dieser Mode keine Energie.
Die Massen laufen gegeneinander. Die Kopplungsfeder wird zusätzlich gedehnt und erhöht dadurch die effektive Steifigkeit dieser Mode.
Die Transformation ist eine orthogonale Drehung des zweidimensionalen Konfigurationsraums; für die Geschwindigkeiten gilt dieselbe Transformation. Information geht nicht verloren.
In den modalen Koordinaten verschwinden die Kreuzterme vollständig. Jede Normalmode besitzt ihre eigene, konstante modale Energie.
Ohne Kopplung sind beide Frequenzen entartet. Wachsende Kopplung hebt diese Entartung auf und trennt die Eigenfrequenzen.
Verändere Masse, äußere Steifigkeit, Kopplung und Anfangsauslenkungen. Die Mechanik zeigt x₁ und x₂; die Diagramme zeigen gleichzeitig physikalische und modale Koordinaten.
Normiert auf eine gemeinsame Referenzamplitude A₀; das Zeitfenster passt sich der Modenaufspaltung an.
Die beiden modalen Amplituden bleiben unabhängig; nur ihre Phasen laufen mit verschiedenen Eigenfrequenzen.
Beide Normalmoden sind angeregt. Die physikalischen Koordinaten zeigen ihre Überlagerung.
Die scheinbare Wanderung entsteht aus der Überlagerung zweier unabhängiger Eigenbewegungen. Das ist ein zentraler Unterschied zwischen physikalischen und modalen Koordinaten.
Ohne Dämpfung und Anregung bleibt E konstant; die Kopplungsfeder ist lediglich ein zusätzlicher Energiespeicher.
Die Eigenbasis diagonalisiert nicht nur die Gleichungen, sondern auch die Energie des linearen symmetrischen Systems.
Mit ω̄ = (ωₛ + ωₐ)/2 wird die langsame Hülle durch Δω bestimmt. Je schwächer die Kopplung, desto langsamer die Schwebung.
Gleiche Massen, gleiche Außenfedern, lineare Federn, keine Dämpfung und keine äußere Kraft halten das Eigenproblem analytisch transparent.
Die Normalmode gehört nicht einer einzelnen Masse. Sie ist eine Eigenschaft des gesamten gekoppelten Netzwerks aus Trägheiten und Steifigkeiten.
Mit jeder weiteren gekoppelten Masse entstehen weitere Moden. K10 macht daraus eine Kette und führt den Langwellen-Grenzübergang zur Wellengleichung aus; M02K01 setzt dort mit der räumlichen Wellenausbreitung an.
Aus zwei gekoppelten Freiheitsgraden wird eine Kette aus N lokalen Zuständen. Die Dynamik bleibt linear und deterministisch, erhält aber eine räumliche Struktur: Jeder Ort koppelt an seine Nachbarn, und aus einem einzelnen Eigenwert entsteht ein ganzes Modenspektrum.
Wir betrachten N identische Massen m im Abstand a, gekoppelt durch identische lineare Federn mit Steifigkeit κ. Die Endpunkte sind fest: x₀ = xN+1 = 0.
Die diskrete zweite Differenz misst die lokale Krümmung der Auslenkung. Eine Masse beschleunigt nur dann, wenn ihre beiden Nachbarfedern keine ausgeglichene Kraft liefern.
K01 begann mit zwei Zustandsgrößen. Die Kette besitzt 2N Zustände; im Kontinuumsgrenzfall wird daraus kein längerer Vektor, sondern ein Feld ψ(x,t).
Die Topologie ist lokal: K koppelt nur direkte Nachbarn. Trotzdem sind die Eigenvektoren global und erstrecken sich über die gesamte Kette.
Für feste Enden sind die Eigenformen diskrete Sinusprofile. Der Modenindex p bestimmt zugleich die räumliche Phase zwischen benachbarten Gitterpunkten.
p = 1,…,N. q ist hier die räumliche Wellenzahl der diskreten Mode; θ = qa ist der dimensionslose Phasenschritt pro Gitterabstand.
Die Frequenz wächst nicht unbegrenzt proportional zu q. Nahe der Gittergrenze qa → π krümmt die Dispersionsrelation ab; die diskrete Mikrostruktur wird dynamisch sichtbar.
Für qa ≪ 1 sieht die Kette lokal glatt aus. Dann wird die Dispersionskurve nahezu linear und die mikroskopische Gitterstruktur verschwindet aus der führenden Dynamik.
Wähle Kettenlänge und Modenindex. Die Animation zeigt die exakte Normalmode; die Diagramme koppeln räumliche Eigenform und diskrete Dispersionsrelation an den Langwellen-Grenzfall.
Die Massen bewegen sich entlang der Federachse. Die Auslenkung ist zur Lesbarkeit skaliert; der gezeichnete Kettenabstand ist normiert, während a im Modell die physikalische Gitterkonstante bleibt.
Linie: kontinuierliche Sinus-Hilfe. Punkte: tatsächlich vorhandene Freiheitsgrade der Kette.
Normiert mit Ω = ω / [2√(κ/m)]. Die lineare Näherung gilt nur für θ = qa ≪ 1.
Viele Gitterpunkte liegen innerhalb einer Wellenlänge; die kontinuierliche Näherung beschreibt die Eigenfrequenz nahezu exakt.
Setze xₙ(t) = ψ(na,t) und entwickle die Nachbarwerte um x = na. Die Mikrodynamik liefert direkt die makroskopische Feldgleichung.
Die ungeraden Ableitungen heben sich wegen der symmetrischen Nachbarschaft exakt auf.
Die 1D-Wellengleichung ist kein neues Postulat: Sie ist die führende Langwellenbeschreibung derselben lokalen Kopplungsdynamik.
Der nächste Term erinnert daran, dass das Kontinuum nur eine Näherung ist. Er erzeugt genau die Krümmung der diskreten Dispersionsrelation bei kurzen Wellenlängen.
Ein einzelner Freiheitsgrad etabliert Rückkopplung, Eigenfrequenz und konservativen Energieaustausch.
Dämpfung und äußere Kräfte machen aus der Eigenbewegung ein offenes dynamisches System mit Frequenzselektion.
Mehrere Freiheitsgrade erzeugen globale Eigenformen und schließlich eine Feldbeschreibung im Langwellenlimit.
Als Nächstes folgen laufende Wellen, Wellenlänge, Phase und Phasengeschwindigkeit, Wellenzahl, Energiefluss, Gruppenlaufzeit, Dispersion und Dämpfung. M01 liefert dafür die dynamische Mikrobasis.