M02 · K01

Von gekoppelten Oszillatoren
zur räumlichen Welle

M01 endete mit einer Kette lokaler Freiheitsgrade und ihrem Langwellen-Grenzfall. Jetzt ändert sich die Perspektive: Der Zustand ist über den Raum verteilt. Eine lokale Störung koppelt nur an direkte Nachbarn — und aus der wiederholten lokalen Kopplung entsteht räumliche Ausbreitung.

Feldzustandlokale Kopplungdiskrete KrümmungKontinuum
01 · Systemwechsel

Der Zustand wird zu einer Funktion des Ortes

Beim einzelnen Oszillator genügen wenige Zahlen. In einer ausgedehnten Struktur muss der Zustand an jedem Ort beschrieben werden. Das ist der Schritt vom endlichdimensionalen dynamischen System zum Feld.

A

Endliche Kette

Bei N gekoppelten Freiheitsgraden ist die Konfiguration ein Vektor. Zusammen mit den Geschwindigkeiten ergibt sich ein endlicher Zustandsraum.

u(t) = [u₁,…,uN]ᵀ z(t) = [u, ]
B

Kontinuierliches Feld

Im Kontinuumsbild wird aus den diskreten Werten eine Feldfunktion. Auch hier braucht eine Gleichung zweiter Ordnung Feldwert und Feldgeschwindigkeit als Zustand.

un(t) → ψ(x,t) state(t) = {ψ(x,t), ψt(x,t)}
C

Lokalität

Die Beschleunigung an einem Ort wird nicht vom gesamten Feld direkt bestimmt, sondern durch die lokale Form der unmittelbaren Umgebung.

ψtt(x,t) = c² ψxx(x,t)
02 · Lokale Kopplung

Nicht die Höhe, sondern die lokale Krümmung treibt die Bewegung

Die Nachbarn wirken nur über Differenzen. Liegt ein Knoten über dem Mittel seiner beiden Nachbarn, ist die resultierende Kopplungskraft negativ; liegt er darunter, ist sie positiv.

diskretes Gitter
m ün = κ (un+1 − 2un + un−1) Δ²un ≡ un+1 − 2un + un−1
Langwellenlimit
Δ²un / a² → ψxx ψtt = c² ψxx c = a√(κ/m)

Der Übergang ist nur dann gut, wenn sich das Feld über mehrere Gitterabstände hinweg glatt ändert. Entscheidend ist also die räumliche Skala der Störung relativ zu a, nicht allein die Zahl der Massen.

03 · Interactive Lab

Propagation Seed Lab

Eine lokalisierte Anfangsauslenkung wird exakt in die Normalmoden einer festen 61-Massen-Kette zerlegt. Beobachte, wie die Störung durch lokale Nachbarkopplung räumlich weitergegeben wird, und untersuche am Probe-Knoten die diskrete Krümmung direkt.

0.80 kg
0.42.0 kg
40 N/m
1080 N/m
4.5
1.58.0
0.35
0.250.75
22
260
Diskretes Feld · N = 61 · a = 0.10 mun(t) als räumliches Profil
läuft
x / L u / A₀
aktueller ZustandAnfangsprofilProbe-Knoten
t0.000s
cLW0.707m/s
un0.000m
n0.000m/s²
Lokale EvolutionsregelDrei Punkte bestimmen die momentane Beschleunigung
n−1 n n+1
Δ²un0.0000m
Systemlesart Lokale Krümmung treibt die Änderung

Der Probe-Knoten wird nur über seine beiden direkten Nachbarn beschleunigt. Die globale Ausbreitung entsteht aus der wiederholten Anwendung dieser lokalen Regel.

gitter-nahräumlich glatt
Die Glätteanzeige basiert nur auf σ/a und ist eine qualitative Orientierung. M01K10 bezeichnete die diskrete Modenwellenzahl mit q; K05 führt für das Kontinuumsbild die Standardnotation k ein. Die dispersive Bedeutung kurzer Gitterwellen folgt in K08.
04 · Was sich hier ausbreitet

Eine Welle ist eine räumlich organisierte Zustandsänderung

Es wandert nicht „dieselbe Masse“ durch das System. Jeder Freiheitsgrad bleibt lokal; räumlich weitergegeben wird die Änderung des lokalen Zustands. Phase und Energiefluss werden später separat formalisiert. Die formale Beschreibung dieser laufenden Strukturen beginnt in K02.

Lab-Lösung
un(t) = Σ Ap φn(p) cos(ωpt) φn(p) = √[2/(N+1)] sin(npπ/(N+1)) ωp = 2√(κ/m) sin[pπ/(2(N+1))]

Die Animation ist keine qualitative Täuschung: Sie verwendet exakt die Eigenmoden der linearen festen Kette bei verschwindender Anfangsgeschwindigkeit.

Kontinuumsbedingung
qa ≪ 1

Das Feld muss sich auf einer Skala ändern, die groß gegenüber dem Gitterabstand ist. Eine sehr schmale Störung enthält viele kurze räumliche Skalen und verrät die Diskretheit stärker. Hier bleibt q die diskrete Notation aus M01K10; im Kontinuumsbild von K05 wird dieselbe räumliche Rolle mit k bezeichnet.

Grenzen von K01
  • linear und homogen
  • nur nächste Nachbarn
  • keine Dämpfung
  • feste Enden der Lab-Kette

Reflexionen an Grenzen gehören zu M04. Deshalb setzt das Lab die Darstellung zurück, bevor das Zentrum der dominanten Störung den nächstgelegenen festen Rand erreicht. Phasen- und Gruppengeschwindigkeit sowie Dispersion werden innerhalb von M02 separat aufgebaut.

05 · M01 → M02

Der entscheidende Perspektivwechsel

01Oszillator

Ein lokaler Zustand entwickelt sich in der Zeit.

02Kopplung

Nachbarzustände beeinflussen ihre Beschleunigungen gegenseitig.

03Feld

Im Kontinuumsgrenzfall wird der Zustand zu ψ(x,t).

04Ausbreitung

Globale räumliche Dynamik entsteht aus einer lokalen Evolutionsregel.

Rückblick: M01K10 · From oscillator to distributed system liefert die diskrete Kette und den Langwellen-Grenzübergang, auf denen dieses Kapitel aufbaut.

Als Nächstes · M02K02

Traveling waves

Welche Feldformen können sich mit konstanter Gestalt durch den Raum verschieben? K02 führt laufende Lösungen der Wellengleichung ein und trennt Links- und Rechtslauf.

M02 · K02

Traveling waves

Eine laufende Welle ist zunächst keine Sinuskurve, sondern eine Feldform, deren Argument sich verschiebt. Bleibt die Form als Funktion von x ∓ ct erhalten, bewegt sich das Muster mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit c durch den Raum.

Rechtslauf
ψ(x,t) = f(x − ct)

Für einen ausgezeichneten Profilpunkt gilt ξ = x − ct = konstant. Daher wächst seine Position mit der Zeit: x(t)=ct+ξ.

Linkslauf
ψ(x,t) = g(x + ct)

Hier bleibt η = x + ct konstant. Damit folgt x(t)=−ct+η: dieselbe Argumentlogik, entgegengesetzte Richtung.

Nicht gleich Stofftransport

Ein festes Mediumselement bleibt an seinem Ort bzw. bewegt sich nur entsprechend der lokalen Feldgröße. Was sich über größere Distanz fortpflanzt, ist die räumliche Struktur des Zustands.

MusterwandertOrt x*bleibt fest
01 · Warum das die Wellengleichung löst

Die Form darf beliebig sein — das Argument trägt die Dynamik

Setze ξ = x − ct und ψ = f(ξ). Die Kettenregel erzeugt auf der Zeitseite genau denselben zweiten Ableitungsterm wie auf der Raumseite, nur mit dem Faktor c².

Raumableitungen
ψx = f′(ξ) ψxx = f″(ξ)
Zeitableitungen
ψt = −c f′(ξ) ψtt = c² f″(ξ)
Einsetzen
ψtt = c² ψxx für jedes hinreichend glatte f

Für g(x+ct) verschwindet das Minuszeichen bereits bei der zweiten Zeitableitung. Beide Richtungen sind gleichberechtigte Lösungen.

02 · Interactive Lab

Traveling Form Lab

Verfolge einen festen Profilpunkt ξ = 0 und gleichzeitig das Signal an einem festen Raumort x*. Das Profil wird exakt ausgewertet — nicht numerisch weitergeschoben. Deshalb ist jede beobachtete Formerhaltung eine direkte Eigenschaft von f(x ∓ ct).

1.20 m/s
0.452.40
−2.50 m
1.50 m
0.00 s
Richtung
Profil f
ψ(x,t) = f(x − ct)Räumliches Profil und mitlaufendes ξ = 0
läuft
+c x / m ψ
aktuelles Profilt = 0ξ = 0fester Ort x*
xξ=0−2.500
ξ(x*,t)4.000
ψ(x*,t)0.000
Formfehler0.0e+0
Lokaler BeobachterFeldwert am festen Ort x*
t / s ψ(x*,t)
Konstantes Argument ξ = x − ct bleibt am Profilpunkt konstant
x = x₀ + ct

Der markierte Profilpunkt bewegt sich nach rechts. Der Probe-Ort bleibt dagegen fest und registriert nur, wie das Profil an ihm vorbeizieht.

Die Animation wird exakt dann zurückgesetzt, wenn der markierte Profilpunkt ξ = 0 den dargestellten x-Bereich erreicht. Das ist nur eine Darstellungswiederholung, keine Reflexion oder periodische Randbedingung.
03 · Beide Richtungen

Die 1D-Wellengleichung trägt zwei unabhängige Laufrichtungen

Auf einer unendlichen homogenen 1D-Linie lässt sich die allgemeine Lösung als Summe einer rechts- und einer linkslaufenden Form schreiben. Diese Aussage ist stärker als die harmonische Speziallösung.

F(x − ct)

Rechtslaufende Komponente

+
G(x + ct)

Linkslaufende Komponente

=
ψ ψ(x,t)=F(x−ct)+G(x+ct)

d’Alembert-Form für die homogene 1D-Wellengleichung

K02 beschreibt die Translation einer Feldform. M02K03 zerlegt anschließend die messbaren Größen einer harmonischen Welle — Amplitude, Wellenlänge und Frequenz. Phase und die daraus definierte Phasengeschwindigkeit bleiben bewusst M02K04 vorbehalten.

04 · K02 in vier Aussagen

Traveling wave heißt: dieselbe Form bei verschobenem Argument

01Rechtslauf

f(x−ct) transportiert ein Profil in +x-Richtung.

02Linkslauf

g(x+ct) transportiert ein Profil in −x-Richtung.

03Beliebige Form

Die Wellengleichung verlangt hier keine Sinusform.

04Lokaler Beobachter

Bei festem x ändert sich ψ, während das Muster vorbeiläuft.

Als Nächstes · M02K03

Amplitude, wavelength, frequency

Für periodische laufende Wellen braucht die Form messbare Skalen. K03 führt Amplitude A, Wellenlänge λ, Frequenz f und Periodendauer T systematisch ein.

M02 · K03

Amplitude, wavelength, frequency

Periodische Wellen besitzen zwei unabhängige Wiederholungsskalen: eine im Raum und eine in der Zeit. Die Amplitude beschreibt die Stärke der Auslenkung; Wellenlänge λ und Periodendauer T sagen, nach welcher Distanz bzw. Zeit sich derselbe Zustand wiederholt.

AAmplitude

Maximaler Betrag der Feldgröße relativ zur Ruhelage. A skaliert die vertikale Auslenkung, nicht die räumliche Länge der Welle.

Einheit von ψ
λWellenlänge

Kleinste positive räumliche Verschiebung, nach der sich ein periodisches Profil bei festem Zeitpunkt wiederholt.

m
TPeriodendauer

Kleinste positive Zeitspanne, nach der ein fester Raumort wieder denselben periodischen Zustand erreicht.

s
fFrequenz

Anzahl vollständiger Perioden pro Sekunde. Frequenz und Periodendauer sind reziprok.

Hz = s⁻¹
01 · Zwei Arten von Periodizität

λ ist eine Distanz, T ist eine Zeit

Beide Größen beschreiben Wiederholung, aber in verschiedenen Schnitten durch dasselbe Feld ψ(x,t). Diese Trennung verhindert eine häufige Verwechslung: Frequenz ist keine räumliche Dichte von Wellenbergen und Wellenlänge keine Zeitdauer.

Raumschnitt · t fest
ψ(x + λ,t) = ψ(x,t)λ > 0 minimal

Vergleiche zwei Orte zur selben Zeit. Gleiche Phase des periodischen Musters erscheint nach der Distanz λ erneut.

Zeitschnitt · x fest
ψ(x,t + T) = ψ(x,t)T = 1/f

Beobachte einen festen Ort. Nach T Sekunden wiederholt sich das lokale Signal; pro Sekunde treten f = 1/T Perioden auf.

Ausbreitung
c = λ/Tc = λf

Während einer Periodendauer verschiebt sich eine formtreue laufende Welle genau um eine Wellenlänge. In einem Medium mit vorgegebenem, nichtdispersivem c sind λ und f daher nicht unabhängig, sondern erfüllen λ = c/f.

02 · Harmonisches Beispiel

Die Sinuswelle macht beide Perioden direkt sichtbar

Eine harmonische rechtslaufende Welle ist ein Spezialfall aus K02. In dieser Schreibweise stehen nur die in K03 benötigten Messgrößen im Vordergrund; die allgemeine Phasenbeschreibung folgt erst in K04.

Rechtslaufende Sinuswelle
ψ(x,t) = A sin[2π(x/λ − ft)]
A vertikale Skalaλ räumliche Periodef zeitliche Wiederholrate
Was noch nicht eingeführt wird

K03 benötigt weder Wellenzahl k noch Kreisfrequenz ω. Beide Größen sind räumliche bzw. zeitliche Phasenraten und werden in M02K05 formal definiert.

Die geometrische Bedeutung der Phase und die Phasengeschwindigkeit gehören zuerst zu M02K04.

03 · Interactive Lab

Wave Scales Lab

Ändere A, λ und f unabhängig. Die räumliche Grafik misst λ zwischen zwei gleichartigen Wellenbergen; die Zeitspur am festen Probe-Ort misst T. Die daraus folgende Ausbreitungsgeschwindigkeit c = λf wird nicht separat eingestellt, sondern berechnet.

1.00
0.251.50
2.50 m
1.20 m4.50 m
0.80 Hz
0.20 Hz1.80 Hz
3.00 m
0.00 s
Raumschnitt · t festAmplitude und Wellenlänge
läuft
A λ x [m]ψ
A1.00
λ2.50 m
T = 1/f1.250 s
c = λf2.00 m/s
Zeitschnitt · x = x*Periodendauer am festen Ort
Tt [s]ψ(x*,t)
Ein Zyklus verbindet Raum und ZeitNach T = 1.250 s ist die Welle um λ = 2.50 m weiter.
cT = λ

Ein gleichphasiger Punkt des Musters legt in genau einer Periodendauer eine Wellenlänge zurück. Daraus folgen c = λ/T und c = λf.

Das Lab verwendet eine ideale, nichtdispersive laufende Sinuswelle. Dispersion wird erst in K08 behandelt.
04 · K03 in vier Aussagen

Periodische Wellen besitzen eine räumliche und eine zeitliche Skala

01Amplitude A

legt die Größe der Feldabweichung fest.

02Wellenlänge λ

ist die räumliche Wiederholdistanz.

03Frequenz f

ist die Anzahl der Perioden pro Sekunde; T = 1/f.

04Geschwindigkeit

verknüpft beide Skalen durch c = λf.

K02 lieferte die allgemeine laufende Form f(x−ct). K03 spezialisiert auf periodische Wellen und macht deren Messskalen sichtbar. M02K04 fragt als Nächstes, welcher Zustand innerhalb eines Zyklus an einem Ort vorliegt — die Phase.

Als Nächstes · M02K04

Phase and phase velocity

Amplitude und Perioden sagen noch nicht, wo innerhalb des Zyklus sich ein Feldpunkt befindet. K04 führt die Phase als Zustandskoordinate der Schwingung ein und leitet daraus die Phasengeschwindigkeit ab.

M02 · K04

Phase and
phase velocity

Amplitude, Wellenlänge und Periodendauer sagen, wie groß und wie weit ein Zyklus ist. Die Phase sagt, wo innerhalb dieses Zyklus ein Feldpunkt liegt. Verfolgt man einen Punkt konstanter Phase durch Raum und Zeit, erhält man die Phasengeschwindigkeit.

01 · Phase als Zykluskoordinate

Ein Winkel beschreibt denselben periodischen Zustand in Raum und Zeit

K03 schrieb die harmonische Welle als Sinus. Für K04 wählen wir die äquivalente Cosinuskonvention und schreiben den dimensionslosen Zyklusanteil explizit als Winkel; das verschiebt nur den Nullpunkt der Phase. Ein zusätzlicher Offset φ₀ verschiebt das gesamte Muster, ohne A, λ oder T zu ändern.

θ

Lokale Phase

θ gibt die Position innerhalb eines Zyklus an. Phasen, die sich um ein ganzzahliges Vielfaches von 2π unterscheiden, beschreiben denselben harmonischen Zustand.

θ(x,t) = 2π(x/λ − t/T) + φ₀
mod 2π

Gleichphasigkeit

Zwei Punkte sind gleichphasig, wenn ihre Phasendifferenz ein ganzzahliges Vielfaches von 2π beträgt. Benachbarte gleichphasige Punkte liegen räumlich um λ auseinander.

Δθ = 2πn   ↔   Δx = nλ
φ₀

Phasenoffset

φ₀ legt fest, welcher Zykluszustand bei x=0 und t=0 vorliegt. Er verschiebt die Welle horizontal, ändert aber weder Amplitude noch Periodenabstände.

ψ(x,t) = A cos θ(x,t)
02 · Konstante Phase

Die Geschwindigkeit eines Phasenpunkts folgt aus θ = konstant

Ein Wellenberg ist nur ein besonders leicht sichtbarer Phasenpunkt. Dieselbe Rechnung gilt für jeden festen Wert θ*. Der Phasenpunkt wandert, obwohl die materielle Auslenkung eines lokalen Elements nur um seine Ruhelage oszilliert.

Ableitung ohne k und ω

Konstantes Argument verfolgen

1
2π(x/λ − t/T) + φ₀ = θ*Ein bestimmter Zykluszustand wird festgehalten.
2
x(t) = λ[t/T + (θ*−φ₀)/(2π) + n]Jede ganze Zahl n bezeichnet einen räumlich äquivalenten Phasenpunkt.
3
dx/dt = λ/T = λfAlle gleichphasigen Punkte derselben harmonischen Komponente besitzen dieselbe Steigung im x–t-Diagramm.
Definition

Phasengeschwindigkeit vφ

Die Phasengeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit, mit der ein Punkt konstanter Phase wandert. Im bisherigen nichtdispersiven Arbeitsmodell ist sie identisch mit der in K02/K03 verwendeten Ausbreitungsgeschwindigkeit c.

vφ ≡ (dx/dt)θ = λ/T = λf = c
Für die linkslaufende Form 2π(x/λ+t/T)+φ₀ ist das Vorzeichen umgekehrt: vφ=−λf. K07 trennt später Phasen- und Gruppengeschwindigkeit; K08 behandelt Frequenzabhängigkeit.
03 · Interactive Lab

Constant-Phase Tracker

Wähle einen Phasenwert θ*. Im Raumbild werden alle Punkte mit derselben Phase markiert. Das x–t-Diagramm verfolgt ihre Weltlinien: ihre Steigung ist vφ. Ändere φ₀, λ oder f und beobachte, was sich nur verschiebt — und was die Steigung tatsächlich verändert.

0.75
3.00 m
0.80 Hz
0.00 rad
0.00 rad
0.000 s
Raumschnitt bei festem tGleichphasige Punkte auf ψ(x,t)
läuft
verfolgter Phasenpunkt x / m ψ
Wellenprofilθ = θ* mod 2πverfolgter Vertreter
θ*0.000 rad
θ* in Grad0.0°
λ3.000 m
T1.250 s
vφ2.400 m/s
xθ*(t)0.000 m
Raum–Zeit-DiagrammWeltlinien konstanter Phase
x / m t / s
04 · Interpretation

Phase beschreibt Musterlage — nicht automatisch Energie- oder Stofftransport

φ₀Offset verschiebt das Muster

Ändert sich nur φ₀, verschieben sich alle Phasenlinien parallel. Ihre Steigung und damit vφ bleiben unverändert.

Phase folgt einem geometrischen Merkmal

Ein Wellenberg, ein Nulldurchgang oder jeder andere feste Zykluswinkel kann als Phasenmarker verwendet werden.

GrenzePhasengeschwindigkeit ist nicht generell Signalgeschwindigkeit

Bei Überlagerungen und Dispersion können Phase, Hüllkurve und Energie unterschiedliche Geschwindigkeiten besitzen. K07/K08 behandeln diese Trennung explizit.

Rückblick: M02K03 definierte λ, T und f geometrisch. Ausblick: M02K05 schreibt dieselbe Phase kompakt mit Wellenzahl k und Kreisfrequenz ω; M02K07 führt die Gruppengeschwindigkeit ein.

05 · K04 in vier Aussagen

Konstante Phase erzeugt eine Linie im Raum–Zeit-Diagramm

01Phase θ

Position innerhalb des periodischen Zyklus, äquivalent modulo 2π.

02Phasenoffset φ₀

Verschiebt die Musterlage, ohne λ, T oder vφ zu ändern.

03Gleichphasige Punkte

Benachbarte Vertreter liegen um λ auseinander und bewegen sich parallel.

04Phasengeschwindigkeit

vφ=(dx/dt)θ=λ/T=λf im bisherigen Arbeitsmodell.

Als Nächstes · M02K05

Wave number and angular frequency

K04 hat die Phase noch direkt mit λ und T geschrieben. K05 führt die natürlichen Winkelraten k und ω ein und verdichtet die laufende harmonische Welle zu ψ=A cos(kx−ωt+φ₀).

M02 · K05

Wave number and angular frequency

K03 maß Wiederholung mit λ und T; K04 beschrieb die Lage im Zyklus durch die Phase. Jetzt werden beide Wiederholungsskalen in natürliche Winkelraten übersetzt: k misst räumlichen Phasenfortschritt pro Strecke, ω zeitlichen Phasenfortschritt pro Zeit.

01 · Von Perioden zu Winkelraten

Zyklen zählen und Phase messen sind dieselbe Information in anderer Einheit

Die räumliche Zyklendichte ist 1/λ, die zeitliche Zyklendichte ist f. Multipliziert man jeweils mit 2π rad pro Zyklus, erhält man Wellenzahl und Kreisfrequenz.

1/λräumliche Zyklendichte

Wie viele vollständige Perioden des Musters auf einen Meter entfallen.

cycles / m
kWellenzahl

Räumlicher Phasenfortschritt in Radiant pro Meter. Hier bezeichnet k die Wellenzahl, nicht die Federsteifigkeit aus M01.

k = 2π/λ
rad / m
fFrequenz

Wie viele vollständige zeitliche Perioden ein fester Ort pro Sekunde durchläuft.

cycles / s = Hz
ωKreisfrequenz

Zeitlicher Phasenfortschritt in Radiant pro Sekunde. Eine volle Periode liefert 2π rad.

ω = 2πf = 2π/T
rad / s
02 · Phase als lineares Feld

k und ω sind die Steigungen der entfalteten Phase

Für die rechtslaufende harmonische Welle wächst die Phase bei festem Zeitpunkt linear mit x und nimmt bei festem Ort linear mit t ab. Genau diese beiden Steigungen sind k und −ω.

Raum · t fest

Räumlicher Phasengradient

θ(x,t) = kx − ωt + φ₀∂θ/∂x = k

Über die Strecke λ wächst die Phase um 2π. Ein größeres k bedeutet daher eine kürzere Wellenlänge und dichtere räumliche Phasenwicklung.

Zeit · x fest

Zeitliche Phasenrate

θ(x,t) = kx − ωt + φ₀∂θ/∂t = −ω

Bei der rechtslaufenden Vorzeichenkonvention nimmt die entfaltete Phase am festen Ort mit der Zeit ab. Der Betrag der Rate ist ω.

dθ = k dx − ω dtdθ = 0vφ = dx/dt = ω/k

Der Radiant ist im SI formal dimensionslos; die Schreibweisen rad/m und rad/s bleiben hier bewusst erhalten, weil sie die physikalische Bedeutung als räumliche bzw. zeitliche Phasenrate sichtbar machen. Für eine linkslaufende Konvention ändert sich das Vorzeichen des räumlichen oder zeitlichen Terms entsprechend.

03 · Interactive Lab

Phase Rate Lab

Ändere λ und f unabhängig. Das Wellenprofil zeigt dieselbe Phase modulo 2π; die beiden unteren Diagramme zeigen die entfaltete (unwrapped) Phase ohne Modulo. Dadurch werden k als räumliche und −ω als zeitliche Steigung direkt sichtbar.

2.50 m
0.80 m5.00 m
0.80 Hz
0.20 Hz2.00 Hz
0.00 rad
3.00 m
0.00 s
0 s2.5 s
Harmonische WellePhasenmuster modulo 2π
läuft
x* x / mψ/A
k2.513 rad/m
ω5.027 rad/s
ω/k2.000 m/s
θ(x*,t)7.540 rad
θ mod 2π1.257 rad
T1.250 s
t festEntfaltete Phase θ(x,t*) · Steigung +k
x / mθ / rad700−4008
∂θ/∂x = k. Die feste θ-Achse verhindert, dass unterschiedliche Steigungen grafisch normalisiert werden.
x* festEntfaltete Phase θ(x*,t) · Steigung −ω
t / sθ / rad700−4002.5
∂θ/∂t = −ω. Das Minus gehört zur gewählten rechtslaufenden Form kx−ωt.
04 · Kompakte Wellenschreibweise

Vier Größen, eine einzige Phase

λ und f bleiben die direkt anschaulichen Periodengrößen; k und ω sind die mathematisch natürlichen Winkelraten. Beide Beschreibungen sind vollständig äquivalent.

λ ↔ kRaum

Große Wellenlänge bedeutet kleine Wellenzahl; kurze räumliche Perioden bedeuten schnellen Phasenfortschritt pro Meter.

kλ = 2π
f ↔ ωZeit

Frequenz zählt Perioden pro Sekunde, Kreisfrequenz zählt den zugehörigen Winkel pro Sekunde.

ωT = 2π
ω/kAusbreitung

Eine Linie konstanter Phase erfüllt k dx − ω dt = 0. Ihre Steigung im Raum–Zeit-Diagramm ist daher die Phasengeschwindigkeit.

vφ = ω/k = λf

Rückblick: M02K03 definierte λ und f, M02K04 die Phase und vφ. Ausblick: In M02K07 und M02K08 wird die Beziehung ω(k) selbst dynamisch wichtig: ihre Steigung liefert Gruppengeschwindigkeit und ihre Nichtlinearität Dispersion.

05 · K05 in vier Aussagen

k und ω sind keine neuen Wellenphänomene, sondern die natürlichen Phasenraten

01Wellenzahl k

k = 2π/λ misst räumlichen Phasenfortschritt pro Länge.

02Kreisfrequenz ω

ω = 2πf misst zeitlichen Phasenfortschritt pro Zeit.

03Phase

θ = kx − ωt + φ₀ verdichtet Raum, Zeit und Offset in eine dimensionslose Zykluskoordinate.

04Phasengeschwindigkeit

Für konstante Phase folgt vφ = ω/k, identisch zu λf.

Als Nächstes · M02K06

Energy transport

Bis hier wurde beschrieben, wie Phase und Muster wandern. K06 fragt, wie viel Energie eine Welle trägt, wie Energiefluss definiert wird und warum Energie- und Phasentransport nicht dasselbe Konzept sind.

M02 · K06

Energy transport

Eine laufende Welle transportiert nicht nur ein Phasenmuster. Sie kann Energie von Ort zu Ort übertragen, obwohl die Materieteilchen im linearen Modell nur lokal um ihre Ruhelage schwingen. Um diesen Transport quantitativ zu beschreiben, braucht die abstrakte Wellengleichung ein konkretes physikalisches Energiemodell.

01 · Vom Wellenfeld zur Energie

Die Wellengleichung bestimmt die Kinematik — das Medium bestimmt die Energie

Die Gleichung ∂²ψ/∂t² = c²∂²ψ/∂x² sagt, wie ein Feld propagiert. Sie enthält für sich allein aber noch keine eindeutige Energiedichte. K06 verwendet deshalb die kleine transversale Auslenkung y(x,t) einer ideal gespannten Saite als konkretes Modell.

Medium

Lineare Saite mit μ und FT

Die lineare Massendichte μ speichert kinetische Energie; die Zugkraft FT koppelt benachbarte Saitenelemente elastisch. Im Kleinwinkelmodell ist die Wellengeschwindigkeit durch beide Materialparameter festgelegt.

c = √(FT/μ)FT = μc²
Arbeitsannahmen: konstante Zugkraft, kleine Steigung |∂y/∂x| ≪ 1, keine Dämpfung, keine Biegesteifigkeit. Dämpfung folgt in K09.
Wellenfeld

Rechtslaufende harmonische Welle

Die in K05 eingeführte Phase bleibt erhalten. Nur die Feldgröße ist jetzt explizit eine Saitenauslenkung in Metern.

y(x,t) = A cos(kx − ωt)ω = ck
Die Relation ω = ck kennzeichnet dieses nondispersive Modell. K08 löst diese einfache lineare Dispersionsrelation auf.
02 · Energiedichte und Leistungsfluss

Energie sitzt lokal im Bewegungs- und Deformationszustand

Ein kleines Saitenstück besitzt kinetische Energie durch seine transversale Geschwindigkeit und elastische Energie durch seine lokale Steigung. Die Zugkraft verrichtet Arbeit über die Grenzen des betrachteten Stücks — genau daraus entsteht der Leistungsfluss.

ukinKinetische Energie pro Länge

Schnelle lokale Querbewegung bedeutet hohe kinetische Energiedichte.

ukin = ½ μ (∂y/∂t)²
uelElastische Energie pro Länge

Eine geneigte Saite ist gegenüber der Ruhelage verlängert; diese Deformation speichert Energie.

uel = ½ FT (∂y/∂x)²
uGesamte Energiedichte

Die lokale Energie pro Saitenlänge ist die Summe beider Speicherformen.

u = ukin + uel[u] = J/m
PTransportierte Leistung

Das Vorzeichen gibt die Transportrichtung an. Für die hier verwendete rechtslaufende Welle ist P ≥ 0.

P = −FT (∂y/∂x)(∂y/∂t)[P] = W
∂u/∂t + ∂P/∂x = 0Nimmt die Energie in einem kleinen Raumabschnitt zu, muss netto mehr Leistung hinein- als hinausfließen. Ohne Dämpfung oder Quelle wird Energie lokal nur umverteilt, nicht erzeugt oder vernichtet.
03 · Spezialfall der laufenden Sinuswelle

Bei einer reinen rechtslaufenden Welle bewegen sich Energiedichte und Leistung gemeinsam nach +x

Setzt man y = A cos(kx−ωt) ein und nutzt FTk² = μω², werden kinetischer und elastischer Anteil punktweise gleich. Die Energie folgt einem sin²-Muster und besitzt deshalb die doppelte räumliche und zeitliche Wiederholungsrate des Auslenkungsfeldes.

Momentanukin = uel

Für die einzelne laufende harmonische Welle sind beide Speicheranteile an jedem Ort und zu jedem Zeitpunkt gleich groß.

u = μA²ω² sin²(kx−ωt)
FlussP = c u

Die lokale Leistung ist im verlustfreien nondispersiven Saitenmodell direkt proportional zur lokalen Energiedichte und stets nach rechts gerichtet.

P = FTA²kω sin²(kx−ωt)
ZeitmittelMittlere transportierte Leistung

Über eine volle Periode mittelt sich sin² auf 1/2. Dadurch wird die zentrale Skalierung des Kapitels sichtbar.

⟨P⟩ = ½ μA²ω²c
⟨P⟩ ∝ ⟨P⟩ ∝ bei μ,c fest
04 · Interactive Lab

Energy Flux Lab

Das Lab hält das Medium physikalisch konsistent: Aus μ und c folgt FT = μc²; aus f und c folgen λ und k. Die obere Kurve zeigt die Saitenauslenkung, die untere die auf den theoretischen Spitzenwert upeak normierte Energiedichte. Alle Zahlenwerte bleiben in SI-Einheiten.

0.040 m
0.02 m0.10 m
1.00 Hz
0.5 Hz2.5 Hz
6.00 m/s
3 m/s12 m/s
0.120 kg/m
0.05 kg/m0.25 kg/m
4.00 m
0 m12 m
0.00 s
0 s3 s
Feld und EnergieLaufende Saite · Energiefluss nach +x
läuft
y(x,t)Auslenkung / m u(x,t) / upeaknormierte Energiedichte · Form P(x*,t) +0.100−0.10 10 0x / m12 m
Wellenlänge λ6.000 m
Zugkraft FT4.320 N
Wellenzahl k1.047 rad/m
Kreisfrequenz ω6.283 rad/s
mittlere Dichte ⟨u⟩0.0038 J/m
mittlere Leistung ⟨P⟩0.0227 W
Probe x*

Momentane lokale Bilanz

ukin0.0000 J/m
uel0.0000 J/m
u = ukin+uel0.0000 J/m
P = c u0.0000 W
Skalierung

Mittlere transportierte Leistung

⟨P⟩0.0227 W
0Lab-Maximum
Linearitätscheck: Ak = 0.042 · Ak ≪ 1.
05 · Interpretation und Grenze

Mustertransport, Energietransport und Stofftransport sind drei verschiedene Aussagen

Im einfachen nondispersiven Saitenmodell fallen Phasen- und Energietransportgeschwindigkeit numerisch zusammen. Daraus folgt jedoch keine allgemeine Identität für beliebige Wellen.

1Keine Netto-Massenwanderung

Die Saitenelemente bewegen sich quer zur Ausbreitungsrichtung um feste Gleichgewichtslagen. Energie kann nach rechts wandern, obwohl Materie nicht mit der Welle nach rechts transportiert wird.

cHier gilt Energieflussgeschwindigkeit = c

Für die einzelne verlustfreie rechtslaufende Saite gilt punktweise P = cu; wo u > 0, entspricht P/u der Geschwindigkeit c. Zugleich ist vφ = ω/k = c. Das ist eine Eigenschaft dieses nondispersiven Modells.

dω/dkDer nächste Schritt braucht Wellenpakete

Wenn mehrere nahe Wellenzahlen überlagert werden, bildet sich eine Hüllkurve. K07 untersucht deren Geschwindigkeit und damit die natürliche Brücke zum Energietransport in dispersiven Systemen.

Rückblick: M01K04 behandelte Energieaustausch im einzelnen Oszillator; M02K05 führte k und ω ein. Ausblick: M02K07 führt die Gruppengeschwindigkeit ein, M02K09 ergänzt Dissipation und räumliche Abschwächung.

06 · K06 in vier Aussagen

Energietransport ist eine lokale Erhaltungsbilanz, nicht nur ein wanderndes Bild

01Energiedichte u

Im Saitenmodell besteht sie aus kinetischem und elastischem Anteil und hat die Einheit J/m.

02Leistungsfluss P

P = −FTyxyt misst, wie viel Energie pro Zeit durch einen festen Ort übertragen wird.

03Lokale Erhaltung

Ohne Quelle oder Dämpfung gilt ∂u/∂t + ∂P/∂x = 0.

04Quadratische Skalierung

Für die harmonische laufende Welle gilt ⟨P⟩ = ½ μA²ω²c; Verdopplung von A oder f vervierfacht bei sonst gleichen Größen die mittlere Leistung.

Als Nächstes · M02K07

Group velocity

K06 hat Energiefluss an einer einzelnen nondispersiven harmonischen Welle beschrieben. K07 überlagert nahe Wellenzahlen zu einem Wellenpaket und leitet aus der Dispersionsrelation die Gruppengeschwindigkeit vg = dω/dk ab.

M02 · K07

Group velocity

Eine einzelne monochromatische Welle besitzt zwar eine Phasengeschwindigkeit, aber kein lokalisiertes Paket. Erst die Überlagerung benachbarter Wellenzahlen erzeugt eine Hüllkurve. Deren Bewegung führt zur Gruppengeschwindigkeit — und macht die Steigung der Dispersionsrelation ω(k) physikalisch sichtbar.

01 · Zwei nahe Komponenten

Aus zwei Phasenmustern entsteht eine langsam variierende Hüllstruktur

Nimm zwei gleich starke laufende Wellen mit nahe beieinanderliegenden Wellenzahlen k₁, k₂ und Kreisfrequenzen ω₁, ω₂. Mit der Summenformel zerfällt ihre Überlagerung exakt in eine schnelle Trägeroszillation und einen langsamen Modulationsfaktor.

Überlagerung
ψ = A cos(k₁x − ω₁t) + A cos(k₂x − ω₂t) ψ = 2A cos[(Δk·x − Δω·t)/2] · cos(k̄x − ω̄t)

Der zweite Cosinus ist der schnelle Träger mit k̄ = (k₁+k₂)/2 und ω̄ = (ω₁+ω₂)/2. Der erste Faktor moduliert seine Amplitude und bildet die Hüllstruktur.

Hüllkurve Konstante Modulationsphase
Δk·x − Δω·t = const. venv = Δω / Δk

Für zwei endliche Abstände ist die Hüllgeschwindigkeit eine Sekantensteigung im ω-k-Diagramm.

Schmalbandgrenze Aus Sekante wird Tangente
vg = limΔk→0 Δω/Δk = dω/dk

Ein schmales Paket enthält viele nahe k-Werte um k₀. Seine führende Hüllgeschwindigkeit ist deshalb die lokale Steigung der Dispersionsrelation am Träger.

02 · Zwei verschiedene Steigungen

vφ liest eine Gerade vom Ursprung — vg die Tangente an ω(k)

Am Trägerpunkt (k₀,ω₀) entstehen zwei geometrisch verschiedene Geschwindigkeiten. Die Phasengeschwindigkeit ist das Verhältnis ω₀/k₀. Die Gruppengeschwindigkeit ist die lokale Ableitung. Nur bei einer linearen Relation durch den Ursprung, ω = ck, stimmen beide überall überein.

Phase Geschwindigkeit eines festen Phasenwertes
vφ = ω₀/k₀

Im ω-k-Diagramm ist das die Steigung der Verbindung vom Ursprung zum Trägerpunkt.

Gruppe Geschwindigkeit der Schmalband-Hüllkurve
vg = (dω/dk)k₀

Geometrisch ist das die Tangentensteigung der Dispersionsrelation im Trägerpunkt.

Nondispersiver Spezialfall Beide Steigungen fallen zusammen
ω = ck ⇒ vφ = vg = c

Genau dieser Spezialfall lag dem idealen Saitenmodell von K06 zugrunde.

03 · Vom Spektrum zum Paket

Die Ableitung erscheint aus der lokalen Taylor-Entwicklung von ω(k)

Ein reales Paket besteht aus einem kontinuierlichen Spektrum um k₀. Ist dieses Spektrum schmal genug, genügt zunächst die lineare Näherung der Dispersionsrelation. Dann verschiebt sich die Hüllkurve mit vg, ohne dass ihre Form in dieser Näherung verändert wird.

Spektrale Darstellung
ψ(x,t) = Re { ∫ Ã(k) ei[kx−ω(k)t] dk } Ã(k): Spektrum um k₀

Je schmaler Ã(k) um k₀ konzentriert ist, desto besser kann ω(k) lokal entwickelt werden.

Erste Ordnung
ω(k) ≈ ω₀ + vg(k−k₀) vg = (dω/dk)k₀

Die spektralen Komponenten akkumulieren dann genau so Phase, dass die Hüllfunktion nur von x−vgt abhängt.

Nächste Ordnung
ω(k) = ω₀ + vgκ + ½ω″(k₀)κ² + …

Der Krümmungsterm ω″ verändert das Paket selbst. Diese Formänderung ist Dispersion und gehört in K08. K07 arbeitet absichtlich nur mit der lokalen linearen Näherung.

04 · Interactive Lab

Packet & Slope Lab

Das Lab verwendet ein gaußförmiges Schmalbandpaket und eine lokal linearisierte Relation ω(k) ≈ ω₀ + vg(k−k₀). Dadurch lassen sich Trägerphase und Hüllkurve unabhängig verfolgen, ohne bereits Paketverbreiterung aus K08 einzuführen.

6.00 rad/m
39 rad/m
3.00 m/s
16 m/s
3.00 m/s
0.56 m/s
2.20 m
1.2 m3.5 m
0.00 s
03.0 s
WellenpaketTrägerphase innerhalb einer bewegten Hüllkurve
läuft
Hüllzentrum · vg feste Phase · vφ −12x / m+12
λ₀1.047 m
ω₀18.850 rad/s
f₀3.000 Hz
σk ≈ 1/σx0.455 rad/m
Hüllzentrum xg−7.000 m
Phasenmarker xφ−7.000 m
ω-k-GeometrieUrsprungsgerade vs. lokale Tangente
(k₀, ω₀) Steigung = vφ Steigung = vg kω0
ω₀/k₀3.000 m/s
dω/dk|k₀3.000 m/s
Direkte Beobachtung

Wie schnell gleitet die Phase durch das Paket?

Δx = (vφ−vg)t0.000 m

Phase und Hüllkurve bewegen sich gleich schnell. Ein bestimmter Wellenberg bleibt relativ zum Paketzentrum an derselben Stelle.

Schmalbandcheck: σk/k₀ = 0.076 · lokale Linearisierung gut.
05 · Bedeutung und Grenzen

Gruppengeschwindigkeit ist eine Hüllkurvenaussage — keine universelle Definition von Energie- oder Signalgeschwindigkeit

Für viele verlustfreie, schwach dispersive Systeme folgt der Energiefluss eines schmalbandigen Pakets der Gruppengeschwindigkeit. Das ist jedoch eine zusätzliche Systemeigenschaft, nicht die Definition von vg. Ebenso ist das Maximum einer Hüllkurve nicht in jeder Situation identisch mit der Geschwindigkeit einer kausalen Signalfront.

Trägerphase

Verfolgt einen festen Phasenwert des schnellen Trägers. Ein einzelner Wellenberg kann durch die Hüllkurve hindurchlaufen.

vgPaket-Hüllkurve

Entsteht aus der lokalen Steigung dω/dk und beschreibt in erster Ordnung die Translation eines schmalen Spektrums.

P/uEnergiegeschwindigkeit

K06 definierte Energiefluss über eine lokale Bilanz. Eine Gleichheit mit vg muss aus dem jeweiligen physikalischen Medium folgen.

Rückblick: M02K05 führte k und ω ein; M02K06 trennte Energiefluss von Phasentransport. Ausblick: M02K08 untersucht die Krümmung von ω(k) und damit die Formänderung von Wellenpaketen.

06 · K07 in vier Aussagen

Die Gruppe liest nicht den Wert von ω(k), sondern seine lokale Änderung

01Interferenz erzeugt Hüllkurven

Nahe k- und ω-Komponenten bilden eine schnelle Trägerphase und eine langsam variierende Modulation.

02Sekante → Tangente

Für zwei Komponenten gilt venv = Δω/Δk; im Schmalbandgrenzfall wird daraus vg = dω/dk.

03vφ und vg sind verschieden definiert

vφ = ω/k ist eine Ursprungssteigung, vg eine lokale Tangentensteigung.

04Krümmung kommt als Nächstes

Die lineare Entwicklung verschiebt das Paket. Erst höhere Ableitungen von ω(k) verändern seine Form.

Als Nächstes · M02K08

Dispersion

K07 hat nur die lokale Steigung von ω(k) benutzt. K08 untersucht, was passiert, wenn diese Steigung mit k variiert: Spektralkomponenten laufen auseinander und ein Wellenpaket verändert seine Form.

M02 · K08

Dispersion

K07 hat ein schmales Spektrum mit der lokalen Tangente von ω(k) transportiert. Jetzt bleibt der nächste Taylor-Term stehen: Ist die Dispersionsrelation gekrümmt, besitzen benachbarte Spektralkomponenten unterschiedliche Gruppengeschwindigkeiten. Das Paket wird räumlich sortiert und verändert seine Form.

01 · Definition

Paketdispersion beginnt, wenn die Steigung von ω(k) im Spektrum variiert

Eine reine Gerade ω = ck besitzt überall dieselbe Steigung. Dann laufen alle Fourier-Komponenten mit derselben Gruppengeschwindigkeit. Ändert sich dω/dk über das vom Paket belegte Spektralband, trennen sich die Komponenten während der Ausbreitung; im lokalen Modell wird dieser erste Effekt durch die Krümmung D beschrieben.

Nondispersiv Eine Steigung für alle k
ω(k) = ckvg = dω/dk = cD = 0

Ein ideales schmales Paket wird nur verschoben. Seine Spektralkomponenten bleiben räumlich zusammen.

Lokale Dispersion · 2. Ordnung Die Steigung ändert sich im Spektrum
vg(k) = dω/dkD = dvg/dk = d²ω/dk²

Ist D im betrachteten Band ungleich null, erhalten Komponenten auf verschiedenen Seiten von k₀ verschiedene Gruppengeschwindigkeiten und akkumulieren unterschiedliche Phasen.

Wirkung Spektrum bleibt, Form ändert sich
Δvg ≈ |D| ΔkΔx ≈ Δvg t

In einem linearen zeitinvarianten Medium ändern sich die spektralen Amplituden nicht zwingend — aber ihre relativen Phasen schon. Genau daraus entsteht die Formänderung im Ortsraum.

02 · Lokale Geometrie

Der Krümmungsterm ist die erste Quelle von Paketverformung

Schreibe k = k₀ + q und entwickle die Dispersionsrelation um den Träger. K07 behielt nur die lineare Ordnung. K08 nimmt zusätzlich die quadratische Phase auf.

Lokale Entwicklung
ω(k₀+q) ≈ ω₀ + vg0q + ½Dq² D ≡ (d²ω/dk²)k₀

ω₀ trägt die schnelle Phase. vg0q verschiebt die Hüllkurve als Ganzes. ½Dq² gibt jeder spektralen Abweichung q eine zusätzliche, quadratisch unterschiedliche Phase.

D > 0 Höhere k laufen lokal schneller

vg(k₀+q) ≈ vg0 + Dq. Die hoch-k-Seite des Spektrums eilt der niedrig-k-Seite voraus.

D < 0 Niedrigere k laufen lokal schneller

Die räumliche Sortierung kehrt sich um. Für ein anfangs ungechirptes symmetrisches Gaußpaket ist die reine Breitenzunahme trotzdem vom Betrag |D| bestimmt.

Notation: Hier bezeichnet D = d²ω/dk² die Krümmung der Funktion ω(k) und hat die Einheit m²/s. In der Faseroptik wird häufig stattdessen β₂ = d²k/dω² verwendet; beide Größen sind nicht identisch und dürfen nicht ohne Umrechnung gleichgesetzt werden.
03 · Gaußpaket

Quadratische Dispersion lässt sich analytisch bis zur Paketbreite verfolgen

Für ein ungechirptes Gaußspektrum und eine lokal quadratische Dispersionsrelation bleibt die Hüllkurve gaußförmig. Sie wird breiter, ihr Maximum sinkt und ihre Phase erhält einen ortsabhängigen Chirp.

Breitenfaktor
B(t) = √[1 + (Dt/σ₀²)²]σx(t) = σ₀ B(t)

Die Wirkung wächst mit Zeit und |D|, aber sinkt stark mit der Anfangsbreite σ₀. Ein räumlich schmales Paket besitzt ein breiteres k-Spektrum und dispergiert deshalb schneller.

Normerhaltung
Apeak(t)/A₀ = B−1/2Apeak² σx = A₀² σ₀

Im verlustfreien Modell verschwindet keine Paketnorm. Die geringere Spitzenamplitude ist geometrische Verteilung über eine größere Breite, keine Dämpfung. K09 trennt diese Prozesse.

Spektrale Sicht
σk ≈ 1/σ₀σvg ≈ |D| σk

Dispersion koppelt spektrale Breite an eine Streuung der Gruppengeschwindigkeiten. Ohne Bandbreite gibt es für eine einzelne monochromatische Komponente keine Paketbreite, die sich verbreitern könnte.

04 · Interactive Lab

Dispersion & Packet Lab

Das Lab verwendet exakt das lokale quadratische Modell ω(k₀+q) = ω₀ + c₀q + ½Dq² mit ω₀ = c₀k₀. Verfolge gleichzeitig die reale Wellenform, die lokale Krümmung im ω-k-Raum und drei repräsentative Spektralkomponenten.

5.00 rad/m
3.58 rad/m
2.80 m/s
1.54.5 m/s
+0.36 m²/s
−0.8+0.8 m²/s
1.80 m
1.2 m3.0 m
0.00 s
05.0 s
OrtsraumWellenpaket mit dispersiver Hüllkurve und Chirp
läuft
Paketzentrum · c₀ −12x / m+12
dispersivReferenz D = 0 bei gleicher σ₀
σk0.556 rad/m
σvg0.200 m/s
B(t)1.000×
σx(t)1.800 m
Apeak/A₀1.000
±σ-Komponenten0.000 m
Lokaler ω-k-RaumTangente und Krümmung um k₀
q = 0 · k₀ k₀−3q = k−k₀k₀+3 δω
Steigung bei k₀2.800 m/s
Krümmung+0.360 m²/s
Spektrale SortierungDrei Komponenten bei k₀−σk, k₀ und k₀+σk
k₀−σkk₀k₀+σk −12 m+12 m
Bei D > 0 läuft die +σk-Komponente voraus; die −σk-Komponente fällt zurück.
Direkte Beobachtung

Breiter werden ist nicht dasselbe wie gedämpft werden

Norm-Check1.000000
Chirpnoch keiner

Zu t = 0 stimmen aktuelle und nondispersive Referenzhüllkurve überein. Mit wachsender Zeit erzeugt D ≠ 0 eine spektrale Sortierung und damit Paketverbreiterung.

05 · Bedeutung und Grenzen

Krümmung beschreibt lokale Dispersion — nicht jede mögliche Paketdynamik

Das quadratische Modell isoliert die zweite Ableitung von ω(k). Reale Medien können höhere Ordnungen, mehrere Zweige, Grenzfrequenzen, anisotrope Richtungsabhängigkeit oder Verluste besitzen. Dann kann ein Paket asymmetrisch werden, Nebenstrukturen bilden oder sich zusätzlich abschwächen.

D = 0Keine Dispersion zweiter Ordnung

Alle Komponenten im lokalen Modell besitzen dieselbe Gruppengeschwindigkeit. Ein Gaußpaket behält seine Breite.

|D| > 0Breitenzunahme ohne Verlust

Die Hüllkurve verteilt sich räumlich. Das ist reversible lineare Phasendynamik, solange keine Dissipation hinzugefügt wird.

sign(D)Sortier- und Chirprichtung

Das Vorzeichen legt fest, welche Seite des k-Spektrums vorausläuft. Im symmetrischen ungechirpten Gaußmodell hängt die Breitenzunahme nur von |D| ab.

Rückblick: M02K07 identifizierte vg als erste Ableitung von ω(k). K08 zeigt jetzt, dass die Änderung dieser Steigung die Paketform beeinflusst. Ausblick: M02K09 führt echte Dämpfung und räumliche Attenuation ein und trennt damit Formverteilung von Energieverlust.

06 · K08 in vier Aussagen

Dispersion ist differenzieller Transport innerhalb eines Spektrums

01Nichtlinearität von ω(k)

Eine gekrümmte Dispersionsrelation bedeutet, dass die lokale Steigung und damit vg mit k variiert.

02Zweite Ableitung

D = d²ω/dk² ist die niedrigste lokale Größe, die eine Änderung der Gruppengeschwindigkeit über das Spektrum beschreibt.

03Breite koppelt an Dispersion

Je größer Δk, desto größer ist bei gleichem |D| die Streuung der Gruppengeschwindigkeiten.

04Dispersion ≠ Dämpfung

Ein Paket kann breiter und niedriger werden, obwohl seine Norm erhalten bleibt. K09 ergänzt erst den dissipativen Verlust.

Als Nächstes · M02K09

Damping and attenuation

K08 verändert die Form eines verlustfreien Pakets durch phasenabhängigen Transport. K09 ergänzt dissipative Mechanismen: Amplituden und Energie nehmen mit Zeit oder Ausbreitungsweg tatsächlich ab.

M02 · K09

Damping &
attenuation

K08 konnte ein Paket niedriger machen, ohne Energie zu vernichten: Dispersion verteilt die Feldamplitude nur anders im Raum. K09 ergänzt nun einen echten Verlustterm. Die lokale Energiebilanz erhält eine negative Quelle, und harmonische Wellen können beim Durchlaufen eines Mediums exponentiell abgeschwächt werden.

01 · Dissipative Wellengleichung

Der Energiefluss bekommt eine echte Senke

Für eine gespannte Saite mit linearer Massendichte μ, Zugkraft FT und viskosem Verlustkoeffizienten b wird die verlustfreie Gleichung aus K06 um einen geschwindigkeitsproportionalen Term erweitert.

Bewegungsgleichung
μ ψtt + b ψt = FT ψxx c = √(FT/μ)  ·  γ = b/(2μ) ψtt + 2γ ψt = c² ψxx

γ hat die Einheit s⁻¹ und ist die zeitliche Amplituden-Abklingrate der unterkritisch gedämpften freien Moden.

Energiedichte und Leistung
u = ½ μ ψt² + ½ FT ψx² P = −FT ψt ψx

Dieselben Größen wie in K06 bleiben gültig. Neu ist, dass die Bilanz nicht mehr quellenfrei ist.

Lokale Energiebilanz
∂u/∂t + ∂P/∂x = −b ψt² −b ψt² ≤ 0

Der Dissipationsterm bψt² ist lokal nichtnegativ; mit dem Minuszeichen wirkt er als Energiesenke und überträgt mechanische Wellenenergie irreversibel in andere Freiheitsgrade des Mediums.

Anschluss: M02K06 · Energy transport lieferte die verlustfreie Kontinuitätsgleichung. Der Term −bψt² macht aus ihr jetzt eine Bilanz mit Dissipation.

02 · Zwei Spektralbilder

Zeitdämpfung und Raumattenuation entstehen aus derselben PDE — aber mit unterschiedlichen Vorgaben

Ob eine komplexe Frequenz oder eine komplexe Wellenzahl erscheint, hängt davon ab, welche Größe als reell vorgegeben wird. Diese Trennung verhindert, γ und α vorschnell gleichzusetzen.

Freie Mode · reales k Zeitliche Dämpfung
ω = ±√(c²k² − γ²) − iγ A(t) = A₀ e−γt

Für ck > γ oszilliert die Mode weiter, während ihre Hüllkurve exponentiell abnimmt. Bei ck ≤ γ verschwindet der oszillatorische Anteil dieser einfachen Modenlösung.

Harmonische Quelle · reales ω Räumliche Attenuation
k = kr + iα ψ = A₀ e−αx cos(krx − ωt)

α > 0 ist der räumliche Amplituden-Attenuationskoeffizient. Eine stationär angeregte Welle verliert mit wachsendem Weg Amplitude und gemittelten Energiefluss.

Schwachverlustgrenze Die einfache Brücke
γ/ω ≪ 1 kr ≈ ω/c α ≈ γ/c

Diese Näherung ist nützlich, aber nicht fundamental. Außerhalb des Schwachverlustbereichs muss die komplexe Wellenzahl aus der vollständigen Dispersionsrelation berechnet werden.

03 · Komplexe Wellenzahl

Die imaginäre Komponente von k setzt die räumliche Verlustskala

Setzt man eine reelle Anregungsfrequenz ω in die gedämpfte Wellengleichung ein, folgt c²k² = ω² + 2iγω. Aus der komplexen Quadratwurzel ergeben sich Phasenfortschritt und Attenuation gleichzeitig.

Exakte Zerlegung
R = √(ω⁴ + 4γ²ω²) kr = (1/c) √[(R + ω²)/2] α = (1/c) √[(R − ω²)/2]
Amplitudenlänge
A = 1/α A(ℓA)/A₀ = e⁻¹

Nach einer Amplitudenlänge bleibt 36,8 % der ursprünglichen Amplitude.

Leistungsfluss
⟨P(x)⟩/⟨P(0)⟩ = e−2αx P = 1/(2α)

Da der gemittelte Fluss quadratisch mit der Amplitude skaliert, ist seine e-Faltungslänge halb so groß.

04 · Interactive Lab

Damping & Attenuation Lab

Eine harmonisch angeregte 1D-Welle wird als exakte stationäre Lösung der gedämpften Wellengleichung ausgewertet. Variiere c, f und γ; vergleiche die exakte räumliche Attenuation mit der Schwachverlustnäherung α ≈ γ/c und beobachte, wie Amplitude und gemittelter Leistungsfluss verschieden schnell fallen.

Stationäre Anregung · reales ωψ(x,t) = A₀e−αx cos(krx − ωt)
läuft
x* 0x / m14
ω7.540 rad/s
kr2.695 rad/m
α exakt0.089 m⁻¹
α ≈ γ/c0.089 m⁻¹
A(x*)/A₀0.641
⟨P(x*)⟩/⟨P₀⟩0.411
Räumliche ZerfallsgesetzeAmplitude und Leistungsfluss
0x / m12 10
A/A₀ = e−αx⟨P⟩/⟨P₀⟩ = e−2αx
Zeit vs. RaumAbkling-Skalen desselben Verlustparameters
Zeit-Hüllkurvee−γt = 1.000
Raum-Hüllkurvee−αx = 0.641
Raum-Leistungsflusse−2αx = 0.411
τA = 1/γ4.000 s
A = 1/α11.22 m
γ/ω0.033
αc/γ0.999
Direkte Beobachtung

Ein kleineres Feldsignal kann zwei völlig verschiedene Ursachen haben

Bei schwachem Verlust liegt α nahe γ/c. Die Amplitude fällt mit e−αx, der gemittelte Leistungsfluss dagegen mit e−2αx.

05 · Bedeutung und Grenzen

Materialverlust, Dispersion und geometrische Ausbreitung sind getrennte Mechanismen

Eine gemessene Amplitudenabnahme allein verrät noch nicht, warum ein Signal kleiner wird. K08, K09 und K10 behandeln drei mathematisch verschiedene Ursachen.

K08Dispersion

Spektralkomponenten laufen unterschiedlich. Ein Paket kann breiter und niedriger werden, obwohl seine Norm im verlustfreien Modell erhalten bleibt.

K09Materialattenuation

Die Energiebilanz enthält eine negative Senke. Eine stationäre 1D-Welle trägt mit wachsendem Weg tatsächlich weniger Leistung.

K10Geometrische Verteilung

Auch ohne Materialverlust kann Amplitude sinken, wenn sich dieselbe Leistung auf eine wachsende Wellenfront verteilt. Das folgt als Nächstes.

Rückblick: M01K05 · Damping behandelte Dissipation am einzelnen Oszillator; M02K08 · Dispersion zeigte verlustfreie Paketverbreiterung. K09 überträgt Dissipation auf ein ausgedehntes Wellensystem.

06 · K09 in vier Aussagen

Dämpfung ist eine Energiesenke; Attenuation ist ihre räumliche Signatur

01Lokaler Verlust

Der Term −bψt² macht die dissipierte Leistung pro Länge explizit und kann nie positiv werden.

02Komplexe Spektralgrößen

Reales k führt bei freien Moden zu komplexem ω; reales ω bei stationärer Anregung zu komplexem k.

03Amplitude vs. Leistung

Bei räumlicher Attenuation fällt A mit e−αx, der gemittelte Leistungsfluss mit e−2αx.

04α ≈ γ/c ist eine Näherung

Die einfache Umrechnung gilt im Schwachverlustbereich γ/ω ≪ 1, nicht als allgemeine Identität.

Als Nächstes · M02K10

1D → 2D → 3D propagation

K09 hat echte Materialverluste isoliert. K10 hält das Medium zunächst verlustfrei und fragt stattdessen, wie sich dieselbe transportierte Leistung auf Linien, Zylinder- oder Kugelflächen verteilt.

M02 · K10

1D → 2D → 3D
propagation

K09 ließ eine ebene 1D-Welle durch Materialverluste schwächer werden. K10 entfernt diesen Verlust zunächst wieder und ändert stattdessen die Geometrie: Dieselbe transportierte Leistung verteilt sich in zwei oder drei Dimensionen auf eine mit dem Abstand wachsende Wellenfront.

01 · Radiale Erhaltung

Die Wellenfront wächst — die Gesamtleistung nicht

Für radialen, quellenfreien Transport in d räumlichen Dimensionen kann die lokale Energiebilanz als radiale Kontinuitätsgleichung geschrieben werden. Im stationären verlustfreien Fall muss der gesamte nach außen gerichtete Leistungsstrom durch jede Wellenfront gleich bleiben.

Radiale Kontinuität
∂u/∂t + r−(d−1) ∂[rd−1I]/∂r = 0 stationär: rd−1I(r) = const

I bezeichnet die radiale Leistungsflussdichte. Der Faktor rd−1 repräsentiert das Wachstum des Wellenfrontmaßes.

Normierte Intensität
I(r)/I(r₀) = (r₀/r)d−1

Der dimensionsabhängige Exponent kommt allein aus der Geometrie, nicht aus Dissipation.

Normierte Amplitude
I ∝ A² A(r)/A(r₀) = (r₀/r)(d−1)/2

Diese Amplitudenskalierung setzt dasselbe Medium bzw. dieselbe lokale Impedanz entlang des Ausbreitungswegs voraus.

Anschluss: M02K06 · Energy transport definierte den Leistungsfluss; M02K09 · Damping and attenuation fügte einen echten Verlustterm hinzu. K10 hält diese Mechanismen getrennt.

02 · Drei Geometrien

Planar, zylindrisch, sphärisch: derselbe Erhaltungssatz, anderer Exponent

Die absoluten Flächenfaktoren sind für die normierten Gesetze unwichtig. Entscheidend ist, wie das Wellenfrontmaß mit r wächst.

1D · planarFrontmaß ∝ r⁰
I/I₀ = 1A/A₀ = 1

Eine ideale ebene Welle in konstantem Querschnitt wird durch Geometrie allein nicht schwächer.

2D · zylindrischFrontmaß ∝ r
I/I₀ = r₀/rA/A₀ = √(r₀/r)

Für eine lange Linienquelle gilt die Skalierung pro axialer Längeneinheit. Die lokale Amplitude fällt nur mit r−1/2.

3D · sphärischFrontfläche = 4πr²
I/I₀ = (r₀/r)²A/A₀ = r₀/r

Für eine isotrope Punktquelle verteilt sich dieselbe Gesamtleistung auf eine Kugeloberfläche, die quadratisch mit r wächst.

03 · Geometrie + Materialverlust

Zwei unabhängige Faktoren multiplizieren sich

Wenn zusätzlich der Attenuationskoeffizient α aus K09 wirkt, bleibt die geometrische Potenzregel erhalten und wird mit dem exponentiellen Materialverlust multipliziert.

Amplitude
A/A₀ = (r₀/r)(d−1)/2 e−α(r−r₀)

Potenzgesetz = Geometrie. Exponentialgesetz = Dissipation. Beide Ursachen bleiben mathematisch identifizierbar.

Flussdichte
I/I₀ = (r₀/r)d−1 e−2α(r−r₀)

Der Exponent des Materialterms verdoppelt sich, weil die Flussdichte quadratisch mit der Amplitude skaliert.

Gesamtleistung
Π/Π₀ = e−2α(r−r₀)

Das Frontwachstum kürzt sich aus der Gesamtleistung heraus. Für α = 0 bleibt Π exakt konstant.

04 · Interactive Lab

Geometric Spreading Lab

Wechsle zwischen 1D, 2D und 3D, verschiebe Referenz- und Probeabstand und schalte bei Bedarf einen Materialverlust hinzu. Das Lab trennt Frontwachstum, geometrische Verdünnung und Attenuation numerisch und visuell.

Wellenfrontgeometrie3D · sphärische Fronten
läuft
Dimension d3
Frontwachstum64.000×
Geometrie A/A₀0.125
Geometrie I/I₀0.016
Gesamt A/A₀0.125
Gesamt I/I₀0.016
Radiales SkalengesetzAmplitude, Flussdichte und Geometrie-Referenz
r₀r / m12 10
Geometrie AA gesamtI gesamt
FaktorzerlegungGeometrie und Materialverlust getrennt
Geometriefaktor A0.125
Materialfaktor A1.000
Gesamtamplitude0.125
Gesamtflussdichte0.016
Δr7.00 m
Π/Π₀1.000
Exponent d−12
GesetzI ∝ r⁻²
Live interpretation

3D: Kugelfläche wächst quadratisch

Bei α = 0 bleibt die Gesamtleistung konstant. Am Probeort ist die Wellenfront 64-mal größer als bei r₀; deshalb fällt die Flussdichte auf 1/64 und die Amplitude auf 1/8.

05 · Bedeutung und Grenzen

Die Potenzgesetze sind Fernfeld- und Symmetrieaussagen

Die Skalierungen sind leistungsstark, aber nicht universell. Sie setzen voraus, dass die Wellenfront ungefähr planar, zylindrisch oder sphärisch bleibt und dass keine fokussierenden Grenzen oder starken Inhomogenitäten den Fluss umlenken.

Near fieldNicht bis r = 0 extrapolieren

Punkt- und Linienquellen besitzen im Nahfeld zusätzliche reaktive oder quellnahe Struktur. Das einfache Fernfeldgesetz beginnt erst außerhalb dieser Zone.

Geometry2D bedeutet zylindrisch

Die 2D-Skalierung beschreibt idealisierte Linienquellen bzw. Leistung pro axialer Länge. Eine reale endliche Quelle geht in großer Entfernung typischerweise in 3D-Verhalten über.

EnvironmentGrenzen können fokussieren

Reflexion, Wellenleiter, Schichtung und Brechung verändern die Wellenfrontgeometrie. Solche Medien- und Randbedingungen werden in späteren Modulen separat behandelt.

06 · M02 in vier Aussagen

Aus lokaler Kopplung wird räumlicher Transport mit Phase, Energie und Geometrie

01Propagation

Die Wellengleichung koppelt lokale Zustände räumlich und erzeugt fortschreitende Lösungen mit k, ω und Phasengeschwindigkeit.

02Energy & groups

Wellen transportieren Energie; in dispersiven Systemen bestimmt die lokale Steigung dω/dk die Bewegung schmalbandiger Hüllkurven.

03Loss vs. dispersion

Dispersion verteilt ein Paket, Dämpfung vernichtet Wellenenergie. Beide Mechanismen haben unterschiedliche mathematische Signaturen.

04Geometry

Auch verlustfreie Wellen können lokal schwächer werden, wenn dieselbe Leistung auf ein wachsendes Wellenfrontmaß verteilt wird.

Weiter · M03K01

Superposition principle

M02 hat die einzelne fortschreitende Welle als Transportprozess aufgebaut. M03 beginnt mit Linearität: Mehrere zulässige Wellen können sich überlagern, ohne ihre Einzelidentität im linearen Modell zu verlieren.