M03 · K01

Superposition principle

Lineare Wellengleichungen erlauben mehr als eine einzelne Lösung: beliebige lineare Kombinationen zulässiger Wellen sind wieder zulässige Wellen. Das ist die mathematische Grundlage für Interferenz, stehende Wellen, Moden und Spektralzerlegungen.

01 · Lineare Struktur

Nicht das Wellenbild, sondern der Operator macht Superposition möglich

Für die eindimensionale verlustfreie Wellengleichung definieren wir den linearen Differentialoperator ℒ. Seine zwei Eigenschaften — Homogenität und Additivität — sind exakt das Superpositionsprinzip.

Wellenoperator
ℒ[ψ] ≡ ψtt − c²ψxxℒ[ψ] = 0

Jede Funktion ψ, die diese Gleichung erfüllt, ist innerhalb des Modells eine zulässige Welle.

Homogenität
ℒ[aψ] = aℒ[ψ]

Eine Lösung darf mit einem konstanten Faktor skaliert oder mit negativem Vorzeichen versehen werden.

Additivität
ℒ[ψ₁ + ψ₂] = ℒ[ψ₁] + ℒ[ψ₂]

Zwei Lösungen derselben linearen Gleichung dürfen punktweise addiert werden.

Folgerung
ℒ[ψ₁] = 0,   ℒ[ψ₂] = 0⇒   ℒ[aψ₁ + bψ₂] = 0

Die Koeffizienten a und b dürfen beliebige konstante reelle Werte annehmen. Das Vorzeichen gehört damit zur linearen Kombination; eine gesonderte physikalische Wechselwirkung ist dafür nicht nötig.

02 · Was sich addiert

Das Feld addiert sich am selben Ort und zur selben Zeit

Superposition ist lokal im Zustandsfeld: Für jedes feste x und t ist der resultierende Feldwert die algebraische Summe der Einzelbeiträge.

Komponente 1ψ₁(x,t)

Eine für sich zulässige Lösung des linearen Wellenmodells.

Komponente 2ψ₂(x,t)

Eine zweite Lösung; Wellenzahl, Richtung und Amplitude dürfen sich unterscheiden.

Resultierendes Feldψ(x,t)

ψ = aψ₁ + bψ₂. Es gibt nicht drei physische Felder, sondern ein Feld mit zwei mathematischen Beiträgen.

Wichtig:

Aus Feldadditivität folgt nicht automatisch punktweise Energieadditivität. Quadratische Größen enthalten Kreuzterme, z. B. (ψ₁ + ψ₂)² = ψ₁² + 2ψ₁ψ₂ + ψ₂². Genau diese Struktur wird in K02 zur Interferenz sichtbar.

03 · Interactive Lab

Linear Superposition Lab

Zwei analytische Lösungen derselben Wellengleichung werden unabhängig parametrisiert und punktweise summiert. Der Probeort zeigt die algebraische Addition; der Operator-Check prüft gleichzeitig, ob auch die Summe die Wellengleichung erfüllt.

Zwei Lösungen → ein Feldψ = aψ₁ + bψ₂
läuft
x / m ψ / ψ̂ x*
aψ₁bψ₂ψ gesamt
k₁1.963rad/m
k₂2.992rad/m
ω₁3.927rad/s
ω₂5.984rad/s
Punktweise Addition bei x*Die Summe ist algebraisch, nicht geometrisch neu definiert
aψ₁ bψ₂ ψ 0
aψ₁(x*,t)+0.000
bψ₂(x*,t)+0.000
Summe+0.000
Operator-CheckErfüllt auch die Summe die Wellengleichung?
ℒ[ψ] = ψtt − c²ψxxℒ[aψ₁+bψ₂] = aℒ[ψ₁] + bℒ[ψ₂]
|ℒ[ψ]| am Probeort0.00 × 10⁰numerischer Rundungsrest
linear konsistent
Live interpretation

Zwei unabhängige Lösungen überlagern sich

Beide Komponenten laufen mit derselben Wellengeschwindigkeit c, dürfen aber verschiedene Wellenlängen und Koeffizienten besitzen. Die dicke Kurve ist an jedem x exakt ihre algebraische Summe.

04 · Gültigkeitsbereich

Superposition ist eine Aussage über lineare Modelle

Dass sich reale Wellen häufig sehr gut überlagern, ist kein universelles Naturgesetz für beliebige Amplituden und Medien. Es folgt aus der Linearität der verwendeten Bewegungsgleichung und ihrer Randbedingungen.

LinearGemeinsamer Operator

ψ₁ und ψ₂ müssen Lösungen desselben linearen Operators mit kompatiblen Randbedingungen sein. Dann ist jede lineare Kombination wieder zulässig.

NonlinearKreuzterme koppeln die Beiträge

Bei einer Gleichung mit z. B. βψ³ gilt im Allgemeinen nicht (ψ₁+ψ₂)³ = ψ₁³+ψ₂³. Die einfache Superposition bricht auf.

ObservableFeld ≠ Energie

Das Feld addiert sich linear; Energie, Intensität und andere quadratische Observablen enthalten gemischte Terme. Deshalb entstehen Interferenzmuster.

05 · K01 in vier Aussagen

Lineare Lösungen bilden einen Raum, in dem Addieren erlaubt ist

01Operator

Superposition folgt aus Homogenität und Additivität der Bewegungsgleichung.

02Punktweise Summe

Am selben Ort und zur selben Zeit ist das resultierende Feld die algebraische Summe seiner Beiträge.

03Freie Koeffizienten

Konstante Skalierungsfaktoren, auch negative, erhalten die Lösungseigenschaft eines linearen homogenen Systems.

04Nichtlinearität

Sobald der Operator nichtlinear wird, ist die einfache Summe zweier Lösungen im Allgemeinen keine Lösung mehr.

Rückbezug: M02K02 · Traveling waves liefert die einzelnen fortschreitenden Lösungen; M02K06 · Energy transport zeigt, warum quadratische Energiegrößen nicht einfach wie das Feld addiert werden.

Weiter · M03K02

Constructive and destructive interference

K01 liefert die lineare Summe. K02 untersucht den Spezialfall gleicher Frequenz und Wellenzahl und zeigt, wann die Kreuzterme Verstärkung oder Auslöschung erzeugen.

M03 · K02

Constructive and destructive interference

Wenn zwei kohärente Wellen dieselbe Frequenz und Wellenzahl besitzen, entscheidet ihre relative Lage darüber, ob sich ihre Feldbeiträge verstärken oder abschwächen. K02 betrachtet die beiden Grenzfälle: gleichphasig und gegenphasig.

01 · Zwei kohärente Beiträge

Gleiche k und ω machen die relative Lage dauerhaft vergleichbar

Wir betrachten zwei harmonische Wellen, die in dieselbe Richtung laufen und dieselben Werte für Wellenzahl und Kreisfrequenz besitzen. Damit bleibt ihre relative Phasenlage überall und zu jeder Zeit konstant.

Welle 1
ψ₁ = A₁ sin(kx − ωt)

Amplitude A₁, gemeinsame Wellenzahl k und Kreisfrequenz ω.

Welle 2
ψ₂ = A₂ sin(kx − ωt + Δφ)

Nur die relative Phasenlage Δφ unterscheidet den zweiten Beitrag.

Resultierende Welle
ψ = ψ₁ + ψ₂

Weil beide Beiträge dieselben k und ω besitzen, bleibt auch die Summe harmonisch. Nur ihre resultierende Amplitude ändert sich.

02 · Die beiden Grenzfälle

Verstärkung und Auslöschung folgen direkt aus dem Vorzeichen

Für Δφ = 0 liegen Maxima und Minima zusammen. Für Δφ = π ist der zweite Beitrag exakt vorzeicheninvertiert. Die vollständige Auslöschung ist dabei ein Sonderfall gleicher Amplituden.

Konstruktiv · Δφ = 0
ψ = (A₁ + A₂) sin θAΣ = A₁ + A₂

Beide Beiträge zeigen gleichzeitig in dieselbe Feldrichtung. Die resultierende Amplitude ist die Summe beider Einzelamplituden.

Destruktiv · Δφ = π
ψ = (A₁ − A₂) sin θAΣ = |A₁ − A₂|

Die Beiträge zeigen entgegengesetzt. Nur wenn A₁ = A₂ gilt, verschwindet das resultierende Feld vollständig.

Keine Vernichtung von Energie durch Algebra:

Die lineare Feldsumme kann lokal null sein. Eine quadratische Messgröße enthält jedoch einen Kreuzterm. Woher Energie kommt oder wohin sie fließt, hängt von Quellen, Geometrie und Randbedingungen ab; die Feldaddition allein ersetzt keine Energiebilanz.

03 · Quadratische Observable

Der Kreuzterm macht die Interferenz messbar

Für eine zeitlich gemittelte quadratische Observable Q ∝ ⟨ψ²⟩ entsteht zusätzlich zu den beiden Einzelbeiträgen ein Interferenzterm. K02 benötigt davon nur die beiden Extremwerte cos Δφ = ±1.

Normierte Observable
Q ∝ ½(A₁² + A₂² + 2A₁A₂ cos Δφ)Qcross ∝ A₁A₂ cos Δφ

Der Kreuzterm ist positiv bei konstruktiver und negativ bei destruktiver Interferenz.

Δφ = 0
Q ∝ ½(A₁ + A₂)²

Maximaler positiver Kreuzterm.

Δφ = π
Q ∝ ½(A₁ − A₂)²

Maximal negativer Kreuzterm; bei A₁ = A₂ wird Q = 0.

04 · Interactive Lab

Interference Extremes Lab

Stelle die beiden Amplituden ein und schalte zwischen Δφ = 0 und Δφ = π. Die Einzelwellen bleiben kohärent; die resultierende Kurve, die Amplitudenbilanz und die quadratische Observable reagieren unmittelbar.

Kohärente Wellenψ₁, ψ₂ und ψ₁ + ψ₂
läuft
x x*
ψ₁ψ₂ψ
k1.963rad/m
ω3.927rad/s
1.600Feldamplitude
Δφ0rad
AmplitudenbilanzSumme oder Differenz?
A₁ +A₂ A₁ ± A₂ 0
A₁0.800
A₂+0.800
A₁ ± A₂+1.600
Quadratische ObservableKreuzterm sichtbar machen
Q ∝ ½(A₁² + A₂² + 2A₁A₂ cos Δφ)Qcross ∝ A₁A₂ cos Δφ
Q₁ + Q₂0.640
Kreuzterm+0.640
Q gesamt1.280
konstruktiv · maximal positive Kreuzkopplung
Live interpretation

Gleichphasige Wellen verstärken sich

Mit Δφ = 0 addieren sich die Amplituden direkt. Bei gleichen A₁ und A₂ ist die resultierende Feldamplitude doppelt so groß wie jede Einzelamplitude.

05 · Was K02 noch nicht macht

Die Extremfälle sind nur zwei Punkte auf einem kontinuierlichen Phasenkreis

K02 isoliert Verstärkung und Abschwächung. Die allgemeine resultierende Amplitude für beliebiges Δφ wird erst in K03 geometrisch und analytisch entwickelt.

KohärenzGleiche ω und stabile relative Phase

Ohne stabile relative Phasenlage mittelt sich der Kreuzterm über lange Beobachtungszeiten typischerweise weg.

AmplitudeDestruktiv heißt nicht automatisch null

Bei Δφ = π bleibt die Differenz |A₁ − A₂|. Vollständige Auslöschung verlangt zusätzlich A₁ = A₂.

Nächster SchrittBeliebiges Δφ

K03 ersetzt die binäre Auswahl 0/π durch eine kontinuierliche Phasendifferenz und leitet die allgemeine Resultante her.

06 · K02 in vier Aussagen

Interferenz ist lineare Feldaddition plus relative Phasenlage

01Kohärent

Gleiche k und ω halten die relative Lage der beiden harmonischen Beiträge konstant.

02Konstruktiv

Bei Δφ = 0 gilt AΣ = A₁ + A₂.

03Destruktiv

Bei Δφ = π gilt AΣ = |A₁ − A₂|; null nur bei gleichen Amplituden.

04Kreuzterm

Quadratische Observablen enthalten einen positiven oder negativen Interferenzterm.

Rückbezug: M03K01 · Superposition principle liefert die lineare Summe; M02K06 · Energy transport liefert die Energiebilanz, die von der bloßen Feldaddition getrennt werden muss.

Weiter · M03K03

Phase difference

K02 hat nur Δφ = 0 und π betrachtet. K03 lässt Δφ kontinuierlich variieren und zeigt die allgemeine Phasor-Geometrie der resultierenden Amplitude.

M03 · K03

Phase difference

Zwischen vollständiger Verstärkung und vollständiger Gegenphase liegt ein kontinuierlicher Phasenraum. Für zwei kohärente harmonische Wellen bestimmt die relative Phase nicht nur die resultierende Amplitude, sondern auch die Phase der resultierenden Welle selbst.

01 · Relative Phase

Nur die Differenz der Phasen steuert die Interferenz

Eine gemeinsame Verschiebung beider Wellen in der Phase ändert ihre relative Lage nicht. Deshalb ist für Interferenz die Differenz Δφ = φ₂ − φ₁ die zentrale Größe.

Komponente 1
ψ₁ = A₁ sin θ

Die erste Welle definiert hier die Phasenreferenz. Ihre absolute Phase kann beliebig gewählt werden.

Komponente 2
ψ₂ = A₂ sin(θ + Δφ)

Die zweite Welle besitzt dieselbe Frequenz und Wellenzahl, aber eine konstante relative Phasenverschiebung.

Relative Phase
Δφ ≡ φ₂ − φ₁Δφ ≡ Δφ + 2πn

Phasenlagen, die sich um ganzzahlige Vielfache von 2π unterscheiden, beschreiben dieselbe relative Geometrie.

02 · Phasor-Geometrie

Die allgemeine Resultante ist eine Vektorsumme

Schreibt man die harmonischen Amplituden als Phasoren, wird die kontinuierliche Interferenz zu einfacher Geometrie in der komplexen Ebene.

Komplexe Amplitude
à = A₁ + A₂eiΔφAΣ = |Ã|

Der Betrag des Summenphasors ist die resultierende Feldamplitude. Seine Richtung ist die Phasenverschiebung δ der Resultante relativ zu ψ₁.

AΣ = √(A₁² + A₂² + 2A₁A₂ cos Δφ)δ = atan2(A₂ sin Δφ, A₁ + A₂ cos Δφ)
03 · Phase aus Wegdifferenz

Ein zusätzlicher Weg wird zu einem Phasenwinkel

Für zwei gleichfrequente Wellen im selben homogenen Medium kann eine reine Wegdifferenz Δx in eine Phasendifferenz übersetzt werden. Entscheidend ist das Verhältnis der Wegdifferenz zur Wellenlänge.

Wegdifferenz
Δφ = kΔx = 2π Δx/λ

Eine zusätzliche Strecke λ entspricht genau einer zusätzlichen Phase von 2π und damit wieder derselben relativen Phasenlage.

Halbe Wellenlänge
Δx = λ/2 ⇒ Δφ = π

Die Beiträge erreichen den Beobachtungspunkt gegenphasig — der destruktive Grenzfall aus K02.

Viertel Wellenlänge
Δx = λ/4 ⇒ Δφ = π/2

Die Phasoren stehen senkrecht aufeinander; der zeitgemittelte Kreuzterm ist dann null.

Modellgrenze

Δφ = kΔx gilt so nur für eine reine Wegdifferenz bei gemeinsamem k. Quellen können zusätzliche Anfangsphasen besitzen; Reflexionen oder Grenzflächen können weitere Phasensprünge erzeugen.

04 · Interactive Lab

Phase & Phasor Lab

Variiere Δφ kontinuierlich von −π bis +π. Die Wellenkurven, der Summenphasor, die resultierende Amplitude und der Kreuzterm bleiben synchron gekoppelt.

Kohärente WellenKontinuierliche Phasenverschiebung
läuft
xx*
ψ₁ψ₂ψ
k1.963rad/m
ω3.927rad/s
1.140Resultante
Δφπ/2relativ
Δx0.800 mäquivalent
Phasor planeA₁ + A₂eiΔφ
ReIm
Δφ90°
1.140
δ37.9°
Quadratische Observablecos Δφ steuert den Kreuzterm
Q ∝ ½(A₁² + A₂²) + A₁A₂ cos ΔφQ = ½AΣ²
cos Δφ0.000
Q₁ + Q₂0.650
Kreuzterm+0.000
Q gesamt0.650
Δφ = π/2 · Quadratur
Live interpretation

Bei 90° verschwindet der zeitgemittelte Kreuzterm

Die Felder überlagern sich weiterhin punktweise; nur der gemittelte Interferenzterm der hier betrachteten quadratischen Observable ist bei cos Δφ = 0 null.

05 · Was die Resultante enthält

Amplitude und Phase ändern sich gemeinsam

Die Summe zweier gleichfrequenter harmonischer Wellen ist wieder harmonisch. Ihre Amplitude und ihre Phasenlage folgen gleichzeitig aus derselben Phasorsumme.

Resultierende Welle
ψ = AΣ sin(θ + δ)

Die Überlagerung bleibt bei gemeinsamer ω und k eine einzelne harmonische Welle.

Amplitude
AΣ² = A₁² + A₂² + 2A₁A₂ cos Δφ

Die K02-Extremfälle sind die Spezialwerte cos Δφ = +1 und −1.

Resultierende Phase
δ = atan2(A₂ sin Δφ, A₁ + A₂ cos Δφ)

Bei AΣ = 0 ist δ nicht definiert, weil ein Nullvektor keine Richtung besitzt.

06 · Modellgrenzen

Konstantes Δφ setzt Kohärenz voraus

K03 betrachtet eine stationäre relative Phasenlage. Sobald die Frequenzen verschieden sind, driftet Δφ mit der Zeit und die Interferenzhülle beginnt zu schlagen — das ist K09.

Gleiche Frequenzω₁ = ω₂

Nur dann bleibt eine vorgegebene relative Phase über die Zeit konstant.

Gemeinsames kGleiche Ausbreitungsrelation

Die einfache Wegdifferenzformel verwendet denselben Wellenvektorbetrag für beide Beiträge.

Nächster SchrittGegenläufige Wellen

K04 lässt zwei kohärente Wellen in entgegengesetzte Richtungen laufen. Dann wird die relative Phase ortsabhängig und es entsteht eine stehende Welle.

07 · K03 in vier Aussagen

Phasendifferenz ist Geometrie, nicht nur ein Zeitversatz

01Relativ

Für Interferenz zählt Δφ, nicht die gemeinsame absolute Phase.

02Periodisch

Δφ und Δφ + 2πn beschreiben dieselbe relative Phasenlage.

03Phasor

Amplitude und resultierende Phase folgen aus der komplexen Vektorsumme.

04Wegdifferenz

In einem homogenen Medium gilt für reine Wegdifferenz Δφ = 2πΔx/λ.

Rückbezug: M03K02 · Constructive and destructive interference sind die Grenzfälle Δφ = 0 und π. M02K04 · Phase and phase velocity liefert die lokale Phasendefinition der einzelnen Welle.

Weiter · M03K04

Standing waves

K03 hält Δφ konstant. K04 überlagert zwei gleichfrequente Gegenläufer; dadurch wird die relative Phase ortsabhängig und feste Knoten-/Bauchstrukturen entstehen.

M03 · K04

Standing waves

Zwei kohärente Wellen gleicher Amplitude, Wellenzahl und Frequenz können sich in entgegengesetzte Richtungen ausbreiten, ohne dass ihre Summe selbst fortschreitet. Die Überlagerung zerfällt dann in einen festen räumlichen Faktor und eine gemeinsame zeitliche Schwingung: eine stehende Welle.

01 · Zwei gleich starke Gegenläufer

Fortschreitende Komponenten können eine nicht fortschreitende Summe bilden

Wir betrachten zwei harmonische Lösungen mit gleicher Amplitude A, gleicher Wellenzahl k und gleicher Kreisfrequenz ω. Nur ihre Ausbreitungsrichtung ist entgegengesetzt; φ verschiebt das stehende Muster räumlich.

Nach +x
ψ→ = A sin(kx − ωt)

Eine gewöhnliche fortschreitende Welle mit Phasengeschwindigkeit c = ω/k.

Nach −x
ψ← = A sin(kx + ωt + φ)

Gleiche A, k und ω, aber entgegengesetztes Vorzeichen vor ωt.

Summe
ψ = ψ→ + ψ←ψ = 2A sin(kx + φ/2) cos(ωt + φ/2)

Die Orts- und Zeitabhängigkeit separieren sich vollständig.

02 · Kennzeichen einer stehenden Welle

Die räumliche Struktur bleibt fest — nur ihre Auslenkung atmet

Im Produkt ψ(x,t) = S(x)C(t) steckt kein Term der Form kx − ωt, der ein Profil als Ganzes durch den Raum transportiert. Jeder Ort behält deshalb seine feste Schwingungsamplitude.

Räumlicher Faktor
S(x) = 2A sin(kx + φ/2)

Er legt die ortsabhängige Schwingungsamplitude und deren Vorzeichen fest. Seine Nullstellen bleiben für alle Zeiten am selben Ort.

Zeitfaktor
C(t) = cos(ωt + φ/2)

Alle nicht verschwindenden Punkte schwingen mit derselben Frequenz f = ω/(2π), aber benachbarte Bereiche können um π gegeneinander invertiert sein.

Keine Musterd drift
vpattern = 0

Die beiden Komponenten laufen weiterhin mit ±c; nur ihre Interferenzstruktur steht. Das ist nicht dasselbe wie eine einzelne Welle mit c = 0.

03 · Energiefluss

Stehend bedeutet nicht „energetisch eingefroren“

Für zwei ideale Gegenläufer gleicher Amplitude sind ihre entgegengesetzten zeitgemittelten Leistungsflüsse gleich groß. Der gerichtete Nettofluss verschwindet, obwohl lokal weiterhin Energie zwischen verschiedenen Speicherformen oszilliert.

⟨P→⟩ + ⟨P←⟩ = 0aber   u(x,t) ≠ konstant

Die Aussage gilt für das ideale verlustfreie Gleichamplituden-Modell. Unterschiedliche Gegenlaufamplituden erzeugen zusätzlich einen verbleibenden fortschreitenden Anteil.

04 · Interactive Lab

Standing Wave Lab

Verfolge beide Gegenläufer getrennt und ihre Summe gleichzeitig. Die warmen Hüllkurven bleiben ortsfest; der Probe-Plot zeigt, dass jeder gewählte Ort nur mit seiner lokalen Amplitude S(x*) harmonisch in der Zeit schwingt.

Field viewZwei Gegenläufer + stehende Summe
läuft
x* x
ψ→ψ←ψ±|S(x)|feste Nullstellen
k1.963 rad/m
ω3.927 rad/s
f0.625 Hz
T1.600 s
S(x*)1.600
Probe traceLokale Zeitbewegung bei x*
t/Tψ(x*,t)
|S(x*)|1.600
ψ(x*,t)1.600
lokale Phase0
FaktorzerlegungWarum das Muster steht
ψ(x,t) = S(x) C(t)S(x) = 2A sin(kx + φ/2)C(t) = cos(ωt + φ/2)
φ/2
Knotenabstand1.600 m
Mustergeschwindigkeit0 m/s
⟨Pnet⟩ ideal0
Reine stehende Welle · Muster ortsfest
Live interpretation

Die Gegenläufer bewegen sich — die Summe nicht

Beide Komponenten laufen mit |c| = 2.00 m/s in entgegengesetzte Richtungen. Ihre Summe besitzt dagegen eine feste räumliche Amplitudenstruktur S(x).

05 · Modellgrenzen

Eine reine stehende Welle verlangt Symmetrie der Gegenläufer

K04 konstruiert die ideale stehende Welle direkt aus zwei gleich starken Gegenläufern. Reale Resonatoren erzeugen diese Situation über Reflexionen und Randbedingungen; diese Mechanismen werden erst später im Modul systematisiert.

Gleiche AmplitudeA→ = A←

Nur dann heben sich die zeitgemittelten gerichteten Leistungsflüsse exakt auf. Bei ungleichen Amplituden bleibt ein fortschreitender Nettoanteil.

Gleiche k und ωKohärente Gegenläufer

Unterschiedliche Frequenzen erzeugen kein stationäres räumliches Muster; ihre relative Lage driftet mit der Zeit.

Noch keine RandbedingungKonstruktion vor Resonator

K04 nimmt die Gegenläufer als gegeben an. Welche Muster durch feste, freie oder gemischte Ränder erlaubt sind, folgt in K06.

06 · K04 in vier Aussagen

Stehende Wellen sind Interferenz zweier fortschreitender Gegenläufer

01Gegenläufig

Die Komponenten besitzen gleiche A, k und ω, aber entgegengesetzte Ausbreitungsrichtungen.

02Separierbar

Die Summe zerfällt in einen festen Ortsfaktor S(x) und einen gemeinsamen Zeitfaktor C(t).

03Ortsfest

Nullstellen und Amplitudenhülle wandern nicht mit der Zeit, obwohl beide Einzelwellen weiterlaufen.

04Nettofluss

Im idealen Gleichamplitudenfall verschwindet nur der zeitgemittelte gerichtete Netto-Energiefluss — nicht die lokale Energiedynamik.

Rückbezug: M03K01 · Superposition principle erlaubt die Summe; M03K03 · Phase difference liefert den Phasenbegriff; M02K06 · Energy transport liefert die Bedeutung des gerichteten Leistungsflusses.

Weiter · M03K05

Nodes and antinodes

K04 zeigt, dass die räumliche Amplitudenstruktur feststeht. K05 analysiert ihre Nullstellen und Maxima geometrisch, bestimmt Abstände und lokale Phasenbeziehungen.

M03 · K05

Nodes and antinodes

K04 hat gezeigt, dass eine ideale stehende Welle einen festen Ortsfaktor besitzt. K05 liest dessen Geometrie aus: Knoten sind dauerhafte Nullstellen, Bäuche sind Orte maximaler Schwingungsamplitude. Ihre Abstände sind durch die Wellenlänge festgelegt.

01 · Nullstellen und Maxima

Knoten und Bäuche sind Eigenschaften des räumlichen Faktors

Für die in K04 verwendete stehende Welle trennt sich die Lösung in einen Orts- und einen Zeitfaktor. Die maximale lokale Schwingungsamplitude ist daher allein durch |S(x)| bestimmt.

Stehende Welle
ψ(x,t)=S(x)C(t)S(x)=2A sin(kx+φ/2)

Die Zeitabhängigkeit ändert die momentane Auslenkung, aber nicht die Orte von Nullstellen und Maxima des Ortsfaktors.

Knoten
S(xₙ)=0xₙ=(nπ−φ/2)/k

An einem idealen Knoten ist ψ(xₙ,t)=0 für alle Zeiten. Der Ort selbst schwingt nicht.

Bäuche
|S(xₐ)|=2Axₐ=((n+1/2)π−φ/2)/k

An einem Bauch ist die lokale Schwingungsamplitude maximal. Das Vorzeichen von S legt nur die lokale Phase fest.

02 · Abstände

Die Geometrie skaliert direkt mit λ

Mit k=2π/λ ergeben sich zwei elementare Abstände. Die Gegenlaufphase φ verschiebt das gesamte Muster, ändert diese Abstände aber nicht.

Knoten → KnotenΔx = λ/2

Benachbarte Nullstellen des Ortsfaktors liegen eine halbe Wellenlänge auseinander.

Bauch → BauchΔx = λ/2

Auch benachbarte Amplitudenmaxima wiederholen sich nach einer halben Wellenlänge.

Knoten ↔ nächster BauchΔx = λ/4

Zwischen einer Nullstelle und dem nächstgelegenen Maximum liegt genau ein Viertel der Wellenlänge.

03 · Lokale Phase

Benachbarte Schwingungsbäuche sind um π phasenverschoben

Zwischen zwei benachbarten Knoten besitzt S(x) ein konstantes Vorzeichen. Beim Überschreiten eines Knotens wechselt dieses Vorzeichen: Punkte in benachbarten Bäuchen bewegen sich deshalb gleichzeitig in entgegengesetzte Richtungen.

gleicher BauchΔφlokal = 0

Zwei Punkte innerhalb desselben Knotensegments besitzen denselben Zeitfaktor und dasselbe Vorzeichen von S(x).

benachbarte BäucheΔφlokal = π

Der Vorzeichenwechsel von S(x) entspricht einer lokalen Phasenumkehr um π.

am KnotenPhase undefiniert

Bei exakt null Amplitude gibt es keine beobachtbare lokale Schwingungsphase.

04 · Interactive Lab

Node & Antinode Geometry Lab

Verändere Wellenlänge und Gegenlaufphase und beobachte, wie das gesamte Muster verschoben oder skaliert wird. Die Marker werden direkt aus den analytischen Knoten- und Bauchpositionen berechnet.

Spatial geometryKnoten, Bäuche und momentane Auslenkung
Δx N→N1.600 m
x* x
ψ(x,t)±|S(x)|KnotenBäuche
k1.963 rad/m
f0.625 Hz
N→N1.600 m
N→A0.800 m
|S(x*)|1.600
Geometry rulerNächster Knoten und Bauch zur Probe
x*nearest nodenearest antinode
|x*−xₙ|0.000 m
|x*−xₐ|0.800 m
Local phaseVorzeichen des Ortsfaktors
Probe liegtim Bauchsegment

Innerhalb eines Knotensegments schwingen alle Punkte lokal gleichphasig.

S(x*)1.600
ψ(x*,t)1.600
lokale Phase0
Live interpretation

Knoten und Bäuche sind ortsfest

Die Zeit ändert nur die momentane Auslenkung. Die aus S(x) berechneten Knoten und Bäuche bleiben an denselben x-Positionen.

05 · Modellgrenzen

Knoten sind hier Interferenznullen — noch keine erzwungenen Randwerte

Das gesamte Muster darf durch φ entlang x verschoben werden. Erst K06 legt Ränder fest und entscheidet damit, welche Knoten- oder Bauchlagen an den Grenzen zulässig sind.

Ideale Gegenläufergleiche A, k, ω

Nur dann sind die Knoten exakt und zeitlich stationär. Ungleiche Amplituden erzeugen Minima statt echter Nullstellen.

Phase verschiebtφ → Translation

Eine Änderung von φ verschiebt Knoten und Bäuche, ohne λ/2- oder λ/4-Abstände zu verändern.

Noch kein Eigenmoduskeine Randquantisierung

K05 beschreibt die Geometrie einer gegebenen stehenden Welle. Zulässige diskrete Muster folgen erst aus Randbedingungen.

06 · K05 in vier Aussagen

Knoten und Bäuche lesen die feste Raumstruktur der stehenden Welle aus

01Knoten

S(x)=0 ⇒ ψ=0 für alle Zeiten.

02Bäuche

|S|=2A ⇒ maximale lokale Schwingungsamplitude.

03Abstände

N→N und A→A: λ/2; N→A: λ/4.

04Phasenwechsel

Benachbarte Bäuche sind um π gegeneinander phasenverschoben.

Rückbezug: M03K04 · Standing waves liefert S(x). Vorausblick: M03K06 · Boundary-defined modes fixiert Randwerte und damit zulässige Knoten-/Bauchlagen.

Weiter · M03K06

Boundary-defined modes

K05 kennt die Geometrie eines beliebig verschobenen stehenden Musters. K06 setzt physikalische Ränder und fragt, welche dieser Geometrien tatsächlich erlaubt sind.

M03 · K06

Boundary-defined modes

K05 ließ das stehende Muster noch frei entlang x verschieben. Physikalische Enden nehmen diese Freiheit weg: ein fester Rand erzwingt die Auslenkung null, ein ideal freier Rand die räumliche Steigung null. Nur bestimmte Raumformen erfüllen beide Endbedingungen gleichzeitig.

01 · Randbedingungen

Der Rand entscheidet, was die Raumfunktion dort tun darf

Wir schreiben die stehende Lösung separiert als ψ(x,t)=X(x)T(t). Für die Modenauswahl genügt zunächst X(x). Ein idealer fester und ein idealer freier Saitenrand stellen unterschiedliche mathematische Bedingungen.

Fester Rand · DirichletKnoten am Ende
X = 0ψ = 0 für alle t

Das Ende kann sich transversal nicht bewegen. Für eine Saite ist der feste Rand daher zwingend ein Knoten der Mode.

Freier Rand · NeumannNull räumliche Steigung
X′ = 0∂ψ/∂x = 0

Am ideal freien Ende verschwindet die transversale Kraftkomponente. In diesem einfachen Saitenmodell liegt dort für nichttriviale Moden ein Bauch.

02 · Auswahlregel

Zwei Endbedingungen quantisieren kL

Im Inneren gilt X″+k²X=0. Der linke Rand wählt eine Sinus- oder Kosinusbasis; der rechte Rand lässt davon nur diskrete k-Werte übrig.

fest–festKnoten · Knoten
Xₙ(x)=sin(nπx/L)kₙL=nπλₙ=2L/n

Zwischen zwei festen Enden müssen exakt n halbe Wellenlängen in die Länge L passen.

n = 1, 2, 3, …
frei–freiBauch · Bauch
Xₙ(x)=cos(nπx/L)kₙL=nπλₙ=2L/n

Die oszillatorischen Moden besitzen dieselbe k-Quantisierung wie fest–fest, aber andere Endgeometrie.

n = 1, 2, 3, …
gemischtKnoten · Bauch
kₙL=(n−1/2)πλₙ=4L/(2n−1)

Bei einem festen und einem freien Ende passen ungerade Viertelwellen in L. Die Orientierung entscheidet nur, ob links Sinus oder Kosinus startet.

n = 1, 2, 3, …
Sonderfall frei–frei: Zusätzlich existiert k=0 als starre Translation der gesamten Saite. Dieser Nullmodus ist keine räumlich oszillierende Welle und wird im Lab nicht als n=0-Wellenmode geführt.
03 · Von K05 zu K06

Die Randphase ist nicht mehr frei wählbar

K05 konnte das Knoten-/Bauchmuster über eine Phase φ beliebig verschieben. Sobald beide Ränder vorgegeben sind, muss die räumliche Phase so liegen, dass die geforderten Knoten oder Steigungsnullen genau an x=0 und x=L sitzen.

K05Kontinuierliche Translation

Eine gegebene stehende Welle kann entlang x verschoben werden; Knotenabstand λ/2 und Knoten–Bauch-Abstand λ/4 bleiben dabei unverändert.

K06Diskrete Auswahl

Die Enden fixieren die Lage des Musters und erlauben nur jene k, deren Raumform beide Randbedingungen zugleich erfüllt.

04 · Interactive Lab

Boundary Mode Selector Lab

Wähle Endbedingungen und Modenzahl. Mit Δ(kL/π) kannst du die Raumform gezielt vom erlaubten Gitter wegschieben: der linke Rand bleibt konstruktiv erfüllt, am rechten Rand erscheint sofort das Residuum.

Raumform und Momentaufnahmefest–fest
Geometrische BedingungL = 2 · λ/2
Randdefinierte stehende RaumformEine dynamische Darstellung der Raumfunktion zwischen zwei wählbaren festen oder freien Rändern. Ein Detuning zeigt die Verletzung der rechten Randbedingung. x fest · X=0fest · X=0 n=2 · fest–fest · zulässig
Raumform X(x)ψ(x,θ)=X(x) cos θRandbedingung
kL/π2.000
λ Kandidat2.000 m
max. Randresiduum0
linker Randkonstruktiv erfüllt
Frequenz→ K07
Boundary residual

Erfüllt der Kandidat beide Enden?

linksX(0)=0 erfüllt
rechtsX(L)=0 erfüllt

Das Residuum ist normiert: bei einem festen Rand wird |X|/A geprüft, bei einem freien Rand |X′|/(Ak). Nur null erfüllt die ideale Bedingung exakt.

Live interpretation

Beide Randbedingungen selektieren diese Raumform

Für fest–fest liegt kL exakt auf dem zulässigen Gitterwert 2π. Die Randbedingungen sind gleichzeitig erfüllt; die Wellenlänge ist geometrisch festgelegt.

05 · Modellgrenzen

K06 quantisiert die Geometrie — noch nicht die gesamte Resonatorphysik

Das Kapitel benutzt die ideale homogene 1D-Saite und perfekte feste/freie Enden. Damit wird die Logik der Modenauswahl isoliert, bevor Frequenzen, Resonatoranregung und reale Verluste hinzukommen.

Homogenes Mediumkonstantes k im Inneren

Schichtungen, Impedanzsprünge und verlustbehaftete Ränder gehören in M04 und spätere Kapitel.

Ideale EndenX=0 oder X′=0 exakt

Reale Aufhängungen besitzen endliche Impedanz und können zwischen diesen Grenzfällen liegen.

Noch keine EigenfrequenzRaumproblem zuerst

K06 liefert zulässige k. K07 koppelt diese über die Dispersionsrelation an diskrete Eigenfrequenzen.

06 · K06 in vier Aussagen

Randbedingungen machen aus kontinuierlichen stehenden Mustern diskrete Modenfamilien

01Fest

X=0 erzwingt einen Knoten am Rand.

02Frei

X′=0 erzwingt im idealen Saitenmodell eine Steigungsnull.

03Quantisierung

Beide Enden zusammen erlauben nur diskrete Werte von kL.

04Geometrie vor Frequenz

K06 bestimmt Xₙ und kₙ; K07 macht daraus fₙ.

Rückbezug: M03K05 · Nodes and antinodes liefert Knoten-/Bauchgeometrie. Vorausblick: M03K07 · Eigenfrequencies koppelt die zulässigen k-Werte an die zeitliche Dynamik. Später: M04K01 · Boundary conditions verallgemeinert Randbedingungen auf Reflexion, Impedanz und Medienübergänge.

Weiter · M03K07

Eigenfrequencies

K06 hat die zulässigen räumlichen Wellenzahlen bestimmt. K07 verbindet diese diskreten kₙ mit der Dispersionsrelation und erhält daraus die Eigenfrequenzen des Systems.

M03 · K07

Eigenfrequencies

K06 hat aus den Randbedingungen diskrete räumliche Wellenzahlen kₙ erhalten. Jetzt kommt die zeitliche Dynamik hinzu: jede zulässige Raumform wird über die Dispersionsrelation auf eine eigene Kreisfrequenz ωₙ und damit auf eine Eigenfrequenz fₙ abgebildet.

01 · Raum und Zeit

Eine Mode besitzt eine Raumform und eine eigene Zeitfrequenz

Für die ideale eindimensionale Wellengleichung ψtt=c²ψxx wird die separierte Lösung ψₙ(x,t)=Xₙ(x)Tₙ(t) eingesetzt. Dasselbe Trennparameterpaar verknüpft dann das räumliche und das zeitliche Eigenproblem.

Raumproblem · K06Randbedingungen wählen kₙ
Xₙ″ + kₙ²Xₙ = 0boundary conditions → kₙ

Die Endbedingungen entscheiden, welche räumlichen Muster überhaupt zulässig sind.

Zeitproblem · K07Jede Mode schwingt mit ωₙ
Tₙ″ + ωₙ²Tₙ = 0Tₙ = C cos(ωₙt+δ)

Die Mode bleibt räumlich dieselbe, während ihr Amplitudenfaktor harmonisch in der Zeit oszilliert.

VerknüpfungDispersionsrelation
ωₙ = Ω(kₙ)fₙ = ωₙ / 2π

Im ideal nondispersiven Wellenmodell gilt Ω(k)=ck und damit direkt ωₙ=ckₙ.

02 · Diskretes Spektrum

Die Randfamilie entscheidet über die Frequenzleiter

Für Ω(k)=ck übernimmt das Frequenzspektrum exakt die in K06 gefundene k-Quantisierung. Gleiche Endtypen liefern ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz; gemischte Enden nur ungerade Vielfache.

fest–fest / frei–freiganzzahlige Leiter
kₙ = nπ/Lfₙ = n c/(2L)fₙ = n f₁

Benachbarte oszillatorische Moden liegen um Δf=c/(2L) auseinander.

n = 1, 2, 3, …
fest–frei / frei–festungerade Leiter
kₙ = (n−1/2)π/Lfₙ = (2n−1)c/(4L)fₙ = (2n−1)f₁

Die Grundfrequenz ist halb so groß wie bei gleichen Endtypen; die nächste Mode liegt bei 3f₁, dann 5f₁ usw.

n = 1, 2, 3, …
allgemeiner Fallnicht zwingend harmonisch
ωₙ = Ω(kₙ)fₙ = Ω(kₙ)/(2π)

Ist Ω(k) nicht linear, bleibt k diskret, aber die Frequenzabstände müssen weder konstant noch ganzzahlige Vielfache von f₁ sein.

→ M02K08 · Dispersion
Frei–frei Nullmode: Im hier verwendeten nondispersiven Zweig gilt Ω(0)=0; damit wird k=0 auf f=0 abgebildet. Das ist die bereits in K06 getrennte starre Translation ohne oszillatorische Rückstellbewegung; die nummerierten Wellenmoden beginnen weiterhin bei n=1.
03 · Skalierung

Länge und Ausbreitungsgeschwindigkeit verschieben das gesamte Spektrum

Im nondispersiven linearen Modell sind die Skalengesetze besonders transparent. Sie trennen Systemparameter von bloßer Darstellungsamplitude.

Länge Lfₙ ∝ 1/L

Verdopple die Systemlänge bei gleicher Randfamilie und gleichem c: alle Eigenfrequenzen halbieren sich.

Wellengeschwindigkeit cfₙ ∝ c

Verdopple c bei gleicher Geometrie: das gesamte Eigenfrequenzspektrum verdoppelt sich.

Amplitude Afₙ unabhängig von A

Im linearen Modell ändert die Schwingungsamplitude die Eigenfrequenz nicht. Nichtlineare Systeme können davon abweichen.

Saite als Beispielc = √(T/μ)

Bei einer ideal gespannten Saite erhöhen größere Zugkraft T oder kleinere lineare Massendichte μ die Eigenfrequenzen über c.

04 · Interactive Lab

Eigenfrequency Spectrum Lab

Wähle Randfamilie, Länge, Wellengeschwindigkeit und Modenzahl. Das Lab zeigt gleichzeitig die zulässige Raumform, die lineare Abbildung f=ck/(2π) und die daraus entstehenden diskreten Spektrallinien. Die laufende Darstellungsphase ist bewusst verlangsamt; die numerischen Frequenzen sind Modellwerte, keine Echtzeit-Animation.

Eigenmoden=3 · fest–fest
Eigenfrequenz30.000 Hz
Ausgewählte Eigenmode und ihre MomentaufnahmeDie normierte Raumform einer zulässigen Mode zwischen den gewählten Randbedingungen und eine zeitlich phasenverschobene Momentaufnahme. fest · X=0fest · X=0 X₃(x) · λ₃ = 2.667 m
Raumform Xₙ(x)ψₙ(x,θ)Rand
kₙ2.356 rad/m
λₙ2.667 m
ωₙ188.496 rad/s
fₙ30.000 Hz
Periode33.33 ms
fₙ/f₁3
Dispersionsabbildungzulässige kₙ → diskrete fₙ
nondispersivf = ck / 2π
Lineare Dispersionsrelation mit diskreten EigenmodenEine lineare Frequenz-gegen-Wellenzahl-Gerade. Acht diskrete durch die Randbedingungen zugelassene Wellenzahlen werden als Punkte und Spektrallinien markiert. k [rad/m]f [Hz] n=3 · 30.000 Hz
Grundfrequenz f₁10.000 Hz
Nachbarabstand Δf10.000 Hz
Spektralmuster1, 2, 3, … × f₁
A-Effekt auf fₙkeiner im linearen Modell
Live interpretation

Die dritte Eigenmode liegt bei 30.000 Hz

Für fest–fest gilt k₃=3π/L. Die lineare Dispersionsrelation ordnet diesem k-Wert f₃=3c/(2L) zu. Die Amplitude ändert nur die Darstellung, nicht die Eigenfrequenz.

Scaling check

Was verschiebt dieses Spektrum?

L → 2Lfₙ → 0.5 fₙ
c → 2cfₙ → 2 fₙ
A geändertfₙ bleibt gleich

Die Darstellung trennt damit geometrische Auswahl, dynamische Abbildung und bloße Amplitudenskalierung.

05 · Eigenfrequenz ≠ Resonanz

Eigenfrequenzen existieren ohne Antrieb; Resonanz beschreibt die Antwort auf einen Antrieb

Diese Begriffe liegen nahe beieinander, sind aber nicht identisch. K07 bestimmt die freien Moden des Systems. Erst K08 fügt eine äußere Anregung hinzu und untersucht, wie stark das System bei verschiedenen Antriebsfrequenzen reagiert.

Eigenproblemhomogene Dynamik
keine äußere Kraft

Gesucht werden nichttriviale freie Lösungen, die Dynamik und Randbedingungen gleichzeitig erfüllen.

EigenfrequenzEigenschaft des linearen Systems
ωₙ = Ω(kₙ)

Sie ist bereits definiert, bevor ein Antrieb gewählt wird.

Resonanz · K08erzwungene Antwort
drive frequency Ωd

Die Antwort hängt zusätzlich von Kopplung, Dämpfung und der Nähe des Antriebs zu den Eigenfrequenzen ab.

06 · Modellgrenzen

Harmonische Frequenzleitern sind eine Konsequenz der idealen linearen Dispersion

Die einfachen Formeln dieses Kapitels gelten für ein homogenes, lineares, nondispersives 1D-System mit idealen Endbedingungen. Die allgemeine Eigenwertlogik bleibt breiter gültig, die Spektralstruktur kann sich jedoch ändern.

DispersionΩ(k) nicht linear

Dann bleiben die kₙ durch die Geometrie diskret, aber die fₙ sind im Allgemeinen nicht äquidistant.

Reale RänderRandphase kann frequenzabhängig sein

Endliche Impedanzen verschieben Moden gegenüber den idealen Dirichlet-/Neumann-Grenzfällen.

NichtlinearitätAmplitude kann Frequenzen verschieben

Die Amplitudenunabhängigkeit von fₙ ist eine Eigenschaft des linearen Modells, keine universelle Regel.

07 · K07 in vier Aussagen

Die Dynamik ordnet jeder räumlich ausgewählten Mode eine eigene Zeitfrequenz zu

01Rand → kₙ

K06 liefert die zulässigen räumlichen Wellenzahlen.

02Dispersion → ωₙ

ωₙ=Ω(kₙ) verbindet Raum- und Zeitdynamik.

03Nondispersiv

Für Ω=ck entstehen einfache harmonische Frequenzleitern.

04Noch kein Antrieb

Eigenfrequenz ist nicht dasselbe wie Resonanzantwort.

Rückbezug: M03K06 · Boundary-defined modes bestimmt Xₙ und kₙ. Vertiefung: M02K08 · Dispersion zeigt, warum Ω(k) gekrümmt sein kann. Vorausblick: M03K08 · Resonators fügt Anregung und Resonanzantwort hinzu.

Weiter · M03K08

Resonators

K07 kennt die freien Eigenfrequenzen. K08 untersucht, wie ein begrenztes System auf äußere Anregung reagiert und warum die Antwort in der Nähe dieser Frequenzen besonders strukturiert wird.

M03 · K08

Resonators

Ein Resonator besitzt Eigenmoden auch ohne äußere Kraft. Wird eine dieser Moden periodisch angeregt, bestimmt nicht nur der Frequenzabstand zur Eigenfrequenz die Antwort, sondern auch Dämpfung und räumliche Kopplung des Antriebs an die Mode.

01 · Einmodenmodell

Nahe einer isolierten Mode verhält sich der Resonator wie ein gedämpft erzwungener Oszillator

Die räumliche Eigenfunktion Xₙ(x) aus K06/K07 bleibt erhalten; nur ihr modaler Zeitkoeffizient qₙ(t) wird durch eine äußere harmonische Kraft angetrieben.

Modalgleichungerzwungene Mode n
q̈ₙ + 2ζωₙq̇ₙ + ωₙ²qₙ = aₙ cos(ωdt)ψₙ(x,t)=Xₙ(x)qₙ(t)

ζ ist der dimensionslose Dämpfungsgrad. ωₙ ist weiterhin die freie Eigenkreisfrequenz aus K07; ωd gehört zum äußeren Antrieb.

FrequenzverhältnisDetuning als dimensionslose Größe
r ≡ ωd/ωₙ = fd/fₙ

r=1 bedeutet Antrieb bei der Eigenfrequenz. Die maximale Auslenkung liegt bei endlicher Dämpfung im Allgemeinen leicht darunter.

Stationäre AntwortAmplitude und Phase
M(r,ζ)=1/√[(1−r²)²+(2ζr)²]δ=atan2(2ζr, 1−r²)

M ist die dynamische Vergrößerung relativ zur statischen modalen Auslenkung. δ ist die Phasenverzögerung gegenüber der effektiven modalen Anregung.

02 · Räumliche Kopplung

Eine Frequenz kann exakt passen und die Mode trotzdem kaum angeregt werden

Ein lokaler Punktantrieb koppelt an die Mode proportional zu ihrem lokalen Eigenfunktionswert. Für normierte Moden schreiben wir Γₙ=Xₙ(xd). Am idealen Knoten ist Γₙ=0: diese Mode erhält aus diesem Antrieb keine modale Kraft.

Antrieb am Bauch|Γₙ|≈1

Die Mode wird maximal gekoppelt; ihre Resonanzkurve kann voll sichtbar werden.

Antrieb am KnotenΓₙ=0

Auch bei r=1 bleibt die ideale einmodige Antwort dieser Mode null. Frequenztreffer allein ist also keine hinreichende Resonanzbedingung.

VorzeichenΓₙ kann ± sein

Das Vorzeichen beschreibt die lokale Phase der Eigenfunktion. Für die Antwortgröße zählt |Γₙ|; die Phasenorientierung bleibt im Modenbild erhalten.

03 · Resonanzkurve

Dämpfung begrenzt die Verstärkung und verschiebt das Amplitudenmaximum

Für ζ>0 bleibt die stationäre Antwort endlich. Bei schwacher Dämpfung besitzt die Auslenkung ein Maximum bei r<1; die mittlere dissipierte Leistung erreicht ihr Maximum dagegen bei r=1.

AmplitudenmaximumrA=√(1−2ζ²)

Gilt für ζ<1/√2. Mit wachsender Dämpfung wird die Resonanzkurve flacher; für starke Dämpfung gibt es oberhalb der statischen Antwort kein ausgeprägtes Amplitudenmaximum.

Phasenlageδ=90° bei r=1

Unterhalb der Eigenfrequenz folgt die Antwort dem Antrieb näher; oberhalb nähert sich die Verzögerung 180°.

LeistungsaufnahmeP̄ ∝ 2ζr² / D²

Mit D²=(1−r²)²+(2ζr)² liegt die maximale dissipierte Leistung bei r=1. Das erklärt, warum verschiedene Resonanzkriterien unterschiedliche „Resonanzfrequenzen“ liefern können.

04 · Interactive lab

Resonator Response Lab

Wähle Modenfamilie, Modenindex, Dämpfung, Antriebsfrequenz und Antriebsort. Das Lab trennt räumliche Kopplung Γₙ von dynamischer Verstärkung M und zeigt parallel Antwortbetrag, Phase und dissipierte Leistung.

RaumkopplungMode n=3 · fest–fest
|Γₙ|0.707
Eigenmode mit lokalem AntriebNormierte räumliche Eigenfunktion mit markiertem Antriebsort und lokaler Kopplung.drive x/L=0.250festfest
fₙ30.000 Hz
fd28.800 Hz
Γₙ0.707
|Γₙ|M4.493
FrequenzantwortAmplitude · Phase · Leistung
r0.960
Resonanzkurve einer gedämpft erzwungenen ModeDynamische Vergrößerung über dem Frequenzverhältnis mit aktuellem Arbeitspunkt und Amplitudenmaximum.r = f₍d₎/fₙ|Γₙ|Mcurrent
Amplitude peak rA0.994
Phase lag δ64.2°
norm. power4.38
Q≈1/(2ζ)6.25
Live interpretation

Near resonance, strong modal coupling

Der Antrieb liegt nahe fₙ und trifft die Mode abseits eines Knotens. Dämpfung begrenzt die dynamische Verstärkung; das Amplitudenmaximum liegt geringfügig unter fₙ.

Resonance criteria
Eigenfrequenzr=1
Amplitude maximumr=0.994
Power maximumr=1

„Die Resonanzfrequenz“ ist ohne Angabe des beobachteten Antwortmaßes nicht vollständig spezifiziert.

05 · Modellgrenzen

Das Einmodenmodell isoliert Resonanz — reale Systeme können mehrere Moden gleichzeitig koppeln

Die Darstellung setzt Linearität, stationäre harmonische Anregung und eine dominierende Mode voraus. Bei dicht liegenden Eigenfrequenzen, nichtproportionaler Dämpfung oder starker Nichtlinearität reicht dieses Modell nicht mehr.

MehrmodigAntworten überlagern sich

Ein realer Punktantrieb projiziert grundsätzlich auf alle Moden mit Γₙ≠0. K10 behandelt diese modale Zerlegung systematisch.

TransientEinschwingen fehlt hier

Das Lab zeigt die stationäre Antwort nach Abklingen der freien Transienten.

NichtlinearResonanzkurven können kippen

Amplitudeabhängige Steifigkeit kann Frequenzverschiebung, Hysterese und Mehrdeutigkeit erzeugen; das liegt außerhalb des linearen K08-Modells.

06 · K08 in vier Aussagen

Resonanz ist keine neue Eigenfrequenz, sondern die frequenzselektive erzwungene Antwort vorhandener Moden

01Eigenmode bleibt

ωₙ und Xₙ stammen aus dem freien System.

02Kopplung zählt

Γₙ=Xₙ(xd) entscheidet, wie stark der Antrieb diese Mode überhaupt erreicht.

03Dämpfung zählt

ζ begrenzt und verbreitert die Resonanzantwort.

04Kriterium zählt

Amplitude und Leistungsaufnahme können unterschiedliche Resonanzlagen definieren.

Rückbezug: M03K07 · Eigenfrequencies liefert fₙ und die Eigenmoden. Vorausblick: M03K09 · Beats untersucht die zeitliche Hüllkurve nahe beieinanderliegender Frequenzen; M03K10 · Modal decomposition verallgemeinert die Antwort auf mehrere Moden.

Weiter · M03K09

Beats

K08 hat die stationäre Antwort eines Resonators auf einen harmonischen Antrieb untersucht. K09 wechselt zurück in den Zeitbereich und zeigt, wie nahe Frequenzen eine langsam modulierte Hüllkurve erzeugen.

M03 · K09

Beats

Zwei nahe Frequenzen erzeugen keine neue Eigenmode: ihre relative Phase driftet stetig. Dadurch wächst und schrumpft die resultierende Amplitude periodisch — eine Schwebung mit der Differenzfrequenz.

01 · Zwei nahe Frequenzen

Die Phasendifferenz ist nicht konstant, sondern wächst mit 2πΔf·t

Für zwei harmonische Beiträge ψ₁=A₁ cos(2πf₁t+φ₁) und ψ₂=A₂ cos(2πf₂t+φ₂) bleibt die lineare Summe exakt. Neu gegenüber K03 ist, dass bei f₁≠f₂ die relative Phase selbst eine Dynamik besitzt.

Mittelfrequenzf̄ = (f₁+f₂)/2
trägt die schnelle Oszillation

Bei nahe beieinanderliegenden Frequenzen ist f̄ die natürliche Trägerfrequenz der Darstellung.

DifferenzfrequenzΔf = f₂−f₁
Δφ(t)=2πΔf·t+Δφ₀

Die relative Phase durchläuft konstruktive und destruktive Lagen mit konstanter Winkelrate.

Beat-Frequenzfbeat = |Δf|
Tbeat=1/|Δf|

Die Maxima der beobachtbaren Amplitudenhüllkurve wiederholen sich einmal pro Beat-Periode.

02 · Gleiche Amplituden

Die Summe faktorisiert exakt in schnelle Trägerschwingung und langsamen Vorfaktor

Für A₁=A₂=A und symmetrisch gewählte Anfangsphasen gilt eine exakte trigonometrische Identität. „Langsam“ ist der Vorfaktor dann, wenn |Δf|≪f̄.

Exakte Identität
ψ(t)=2A cos(πΔf·t+Δφ₀/2) cos(2πf̄·t)

Der erste Cosinus ist ein signierter Vorfaktor. Sein Vorzeichenwechsel entspricht einer π-Phasenumkehr des schnellen Trägers.

Beobachtbare HüllkurveR(t)=2A |cos(πΔf·t+Δφ₀/2)|

Durch den Betrag wiederholen sich die Hüllkurvenmaxima mit |Δf| — obwohl der signierte Cosinus selbst die Frequenz |Δf|/2 besitzt.

Vollständige Auslöschungnur bei A₁=A₂

Dann kann R(t)=0 werden. Genau am Nullpunkt springt die effektive Trägerphase um π.

03 · Ungleiche Amplituden

Die allgemeine Hüllkurve folgt direkt aus der Phasorgeometrie

Für A₁≠A₂ ist die einfache Produktform nicht mehr ausreichend. Die momentane Resultantenamplitude ergibt sich jedoch exakt aus der Länge der Summe zweier rotierender Phasoren.

ResultantenamplitudeR(t)=√(A₁²+A₂²+2A₁A₂ cos Δφ(t))

R(t) ist die positive Amplitudenhüllkurve der Summe im mit f̄ rotierenden Bezugssystem.

MaximumRmax=A₁+A₂

Konstruktive Lage: die beiden Phasoren zeigen in dieselbe Richtung.

MinimumRmin=|A₁−A₂|

Destruktive Lage: vollständige Nullstellen existieren nur bei gleichen Amplituden.

04 · Interactive Lab

Beat Envelope Lab

Verändere Mittelfrequenz, Frequenzabstand, Amplituden und Anfangsphase. Der Zeitplot zeigt beide Komponenten, ihre Summe und die exakte ±R(t)-Hüllkurve; die Phasorgrafik macht dieselbe Dynamik geometrisch sichtbar.

ZeitbereichSumme und Hüllkurve
fbeat1.20 Hz
Zeitverlauf zweier naher Frequenzen und ihrer SummeZwei harmonische Komponenten, ihre Überlagerung, positive und negative Amplitudenhüllkurve und ein beweglicher Zeitcursor.t0 s2.08 s
ψ₁ψ₂ψ₁+ψ₂±R(t)
f₁17.40 Hz
f₂18.60 Hz
Tbeat0.833 s
R(t)0.50
Relative PhasorgeometrieΔφ(t) bestimmt R(t)
Δφ151°
Phasordiagramm der beiden FrequenzkomponentenZwei Phasoren mit zeitabhängigem Relativwinkel und ihre Vektorsumme.R(t)0.50
Live interpretation

Klare Schwebung mit vollständigen Minima

Gleiche Amplituden erlauben periodische Nullstellen der Hüllkurve. Die Maxima wiederholen sich mit |Δf|=1.20 Hz.

Rmax2.00
Rmin0.00
Modulationstiefe100%
|Δf|/f̄0.067
05 · Interpretation & Modellgrenzen

Schwebung ist lineare Interferenz — keine Energieerzeugung und keine zusätzliche Spektrallinie

Im ideal linearen Modell enthält die Summe weiterhin nur die beiden ursprünglichen Frequenzen f₁ und f₂. Die langsame Hüllkurve entsteht aus ihrer zeitlich driftenden relativen Phase.

Spektrumzwei Linien bleiben zwei Linien

fbeat beschreibt die Hüllkurvenwiederholung; sie ist nicht automatisch eine neue Fourier-Komponente des linearen Summensignals.

Nähe der Frequenzenfür die Algebra nicht nötig

Die Formeln sind exakt. Erst die anschauliche Träger–Hüllkurven-Trennung verlangt |Δf| deutlich kleiner als f̄.

Nichtlinearitätkann neue Frequenzen erzeugen

Erst nichtlineare Mischung kann Summen-/Differenzfrequenzen als echte zusätzliche Spektralkomponenten erzeugen; das ist ein anderes Phänomen.

06 · K09 in vier Aussagen

Beats sind die Zeitdomänen-Signatur einer laufenden relativen Phase zwischen zwei Frequenzkomponenten

01Δφ läuft

Bei f₁≠f₂ wächst die relative Phase mit 2πΔf·t.

02Beat = |Δf|

Die Hüllkurvenmaxima wiederholen sich mit der Frequenzdifferenz.

03Amplitude zählt

Nur gleich große Beiträge können sich an den Minima vollständig auslöschen.

04Keine neue Linie

Lineare Überlagerung erzeugt keine zusätzliche Spektralkomponente bei fbeat.

Rückbezug: M03K03 · Phase difference liefert die Phasorgeometrie; M03K08 · Resonators erklärt, wie nahe Frequenzkomponenten in realen Systemen entstehen können. Vorausblick: M03K10 · Modal decomposition verallgemeinert die Überlagerung von zwei auf viele Moden.

Weiter · M03K10

Modal decomposition

K09 hat zwei Spektralkomponenten überlagert. K10 formuliert dieselbe Idee systematisch für viele Eigenmoden und zeigt, wie Anfangszustände und Antworten als gewichtete Modensummen dargestellt werden.